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Zum 90. Jahrestag des Ausbruchs des Spanischen Bürgerkrieges

#analyse #spw

14.07.2026

Frank Schauff, nach Studium in Köln und Volgograd Master of Science der London School of Economics (LSE), Promotion an der Universität zu Köln zur Politik der Sowjetunion und der Kommunistischen Internationale im Spanischen Bürgerkrieg 1936–1939; veröffentlichte zur europäischen, russischen und spanischen Geschichte und Politik, lebt und arbeitet in Berlin.

VON frank schauff

Zusammenfassung

Der Spanische Bürgerkrieg nahm am 17. Juli 1936 mit einem Militärputsch seinen Anfang und weitete sich in seinem weiteren Verlauf zum „Kreuzzug gegen den die Roten“ aus. Auf Seiten der Militärs konnte sich General Franco durchsetzen, da es ihm gelang, woran andere aufständische Militärs in den Tagen zuvor gescheitert waren: er sicherte sich die Unterstützung Mussolinis und Hitlers, der seine Entscheidung zur Unterstützung spontan und gegen das Votum des Auswärtigen Amtes in Bayreuth spätabends noch unter dem Eindruck einer Wagner-Oper traf. Durch die Entsendung moderner Flugzeuge – die spanische Marine war der Republik gegenüber loyal geblieben – konnte Franco mit der ersten Luftbrücke der Geschichte seine Truppen über die Straße von Gibraltar übersetzen. Dies war auch der Beginn der bald als „Achse Berlin-Rom“ bezeichneten Kooperation beider Diktaturen.

Vorbedingungen des Konfliktes

Spanien, am westlichen Rande des Kontinents gelegen und von europäischen Entwicklungen des 19. und frühen 20. Jahrhunderts isoliert, nahm einen eigenen Weg, der sich in vielem von seinen östlichen Nachbarn unterschied. Nach der Befreiung von napoleonischer Besetzung sagten sich die meisten der lateinamerikanischen Kolonien von Spanien los, sodass das Land auch in dieser Hinsicht geschwächt wurde. Die Säkularisierung von Kirchengütern begünstigte insbesondere im Süden zur Etablierung großer Latifundien, die von Tagelöhnern bearbeitet wurden, was zu einer scharfen sozialen Spaltung führte. Dies trug zur Entwicklung einer zunächst stark von Bakunin geprägten anarchistischen Bewegung bei, die bis 1936 den größeren Teil der spanischen Arbeiterschaft mobilisieren konnte. Im Laufe des 19. Jahrhunderts entstanden zudem stärker ausgeprägte Regionalismen insbesondere im Baskenland und Katalonien, die zunehmend mit dem zentralistischen Machtanspruch Kastiliens kollidierten, zumal beide nördliche Regionen eine dynamischere industrielle Entwicklung aufwiesen.

Im Laufe der Jahrzehnte kam es immer wieder zu Militärputschen, aber auch zu dynastisch angelegten Bürgerkriegen, da insbesondere in Navarra die karlistische Strömung der Monarchisten in Opposition zum herrschenden Teil der Bourbonen verwurzelt war. Diese militante reaktionäre Bewegung konnte sich ebenfalls bis 1936 halten und eine wichtige Rolle auf Seiten der aufständische Militärs im Norden des Landes spielen. Ende des Jahrhunderts verlor Spanien im Krieg mit den USA sowohl Cuba als auch die Philippinen, die beiden wichtigsten verbliebenen Kolonien. Die Herrschenden und insbesondere das geschlagene, auf Revanche abzielende Militär begaben sich dafür umso verbissener in einen jahrelangen, verlustreichen und brutalen Kolonialkrieg in Marokko.

Einerseits entwickelte sich Spanien zu einer konstitutionellen Monarchie, andererseits war das Regierungssystem von Korruption gekennzeichnet, wobei es in erster Linie darum ging, die Arbeiterbewegung außen vor zu lassen, die sich gegen die Willkür der Bourgeoisie im landwirtschaftlich geprägten Süden, im sich industrialisierenden Norden und im nun auch langsam nachziehenden Zentrum des Landes zur Wehr setzte. Hier schreckten die Anarchisten, die sich zu einer inhaltlich wie organisatorisch heterogenen Bewegung entwickelt hatten, auch nicht vor terroristischen Anschlägen oder periodisch ausbrechenden regionalen Aufständen zurück, die mit der Waffengewalt des Militärs oder der verhassten Guardia Civil niedergeschlagen wurden. Als eine der ersten sozialistischen Parteien überhaupt wurde Ende der 70er Jahre die marxistische Sozialistische Arbeiterpartei (PSOE) in Madrid gegründet, die sich allerdings in den ersten Jahrzehnten organisatorisch langsam entwickelte und gegenüber dem übermächtigen anarchistischen Zweig der Arbeiterbewegung von untergeordneter Bedeutung blieb. Dies sollte sich erst im 20. Jahrhundert ändern.

Spanien blieb während des 1. Weltkriegs neutral und belieferte somit beide kriegführende Seiten mit Exportgütern. Dies brachte ein starkes Wachstum insbesondere der industriellen Produktion und somit eine weitere Verschärfung der regionalen Unterschiede mit sich. Aber auch soziale und politische Gegensätze verschärften sich, sodass es 1917 – auch entfernt inspiriert durch die Vorgänge in Russland – zu Streiks und Unruhen unter Beteiligung der von der PSOE kontrollierten Gewerkschaft (UGT) kam, die allerdings mit Waffengewalt niedergeschlagen wurden. Insbesondere die Anarchisten mit dem 1910 entstandenen organisatorischen Kern der syndikalistischen Gewerkschaften (CNT) sorgten jedoch auch in den folgenden Jahren weiter für Konflikte, zumal Spanien mit dem Ende des Weltkrieges eine scharfe Krise erlebte.

Das Militär beendete diese Krisensituation durch Putsch 1923, aber diesmal trat es die Macht nicht nach ein paar Monaten an eine zivile Regierung ab, sondern Diktator Primo de Rivera orientierte sich an Italien und etablierte eine Modernisierungsdiktatur mit Hilfe einer Partei nach faschistischem Vorbild. Damit hatte Spanien – wiederum gegen europäische Tendenz – die bürgerlich-demokratische durch eine diktatorische Regierungsform ersetzt. Während die Diktatur die CNT wie auch die gerade von der PSOE abgespaltene kleine kommunistische Partei (PCE) unterdrückte, wurde die sozialistische UGT als Mittel zur Integration der Arbeiterklasse in das Herrschaftssystem genutzt. Dies führte einerseits zu auch später noch relevanten Konflikten in der PSOE, ermöglichte andererseits aber der UGT, sich unter dem Generalsekretär Francisco Largo Caballero organisatorisch weiterzuentwickeln. Mit beginnender und Spanien hart treffender Weltwirtschaftskrise geriet das Regime zunehmend in Schwierigkeiten. 1930 trat Primo de Rivera zurück. Da sein Nachfolger die Situation aber nicht stabilisieren konnte, ging König Alfonso XII., Großvater des späteren Königs Juan Carlos I., ohne abzudanken ins italienische Exil.

Die Spanische Republik wurde – während in anderen Teilen Europas demokratische durch diktatorische Regime ersetzt wurden – durch ein Bündnis zwischen PSOE und kleineren linksliberal-antiklerikal Parteien im April 1931 ausgerufen. Bei den ersten Parlamentswahlen errang dieses aufgrund des Wahlsystems eine klare Mehrheit der Abgeordneten. Die Koalitionsregierung mit Largo Caballero als Arbeitsminister weckte mit ihrem Programm große Erwartungen bei ihrer Basis und tatsächlich wurden im sozialen Bereich erste Erfolge erzielt. Aber die angestrebte Landreform blieb in Halbheiten stecken, was sowohl die neu gegründete, schnell anwachsende sozialistische Landarbeitergewerkschaft (FNTT) als auch Grundbesitzer auf die Barrikaden brachte. Dem Baskenland und Katalonien wurde Autonomierechte zugestanden. Des Weiteren führten gegen die katholische Kirche gerichtete Reformen wie das Verbot des Jesuiten-Ordens, die staatliche Kontrolle des Schulunterrichts oder die Einführung von Zivilehe und Ehescheidung ebenfalls zu massivem Widerstand. Dieser manifestierte sich in der Bildung einer rechtsgerichteten, katholischen Sammlungsbewegung (CEDA), die frontal die linksliberale Regierung und die Republik als solche attackierte.

Diese Regierung zerbrach insbesondere am Unwillen der Sozialisten zu ihrer Fortsetzung. Bei den folgenden Wahlen erhielten Mitte-rechts-Parteien die Mehrheit der Sitze. Unter Führung der korrupten Radikalen wurde eine durch die CEDA geduldete Regierung gebildet, die sofort daran ging, Teile der Reformen rückgängig zu machen. Nach den Erfahrungen der kampflosen Niederlage der deutschen Arbeiterbewegung wollte die sozialistische Linke sich nicht einfach der aus ihrer Sicht drohenden faschistischen Gefahr ergeben. Ausgerechnet der zuvor mit der Militärdiktatur verbundene Largo Caballero setzte sich an die Spitze eines sich zunehmend radikalisierenden linken Partei- und Gewerkschaftsflügels, zu dem auch die Jungsozialisten unter Santiago Carrillo, später jahrzehntelang Generalsekretär der PCE, zählten. Als die CEDA im Oktober 1934 in die Regierung eintrat, kam es zu einem schlecht vorbereiteten Aufstand, der insbesondere in Asturien nach tagelangen Kämpfen von Truppen unter Franco brutal niedergeschlagen wurde. Die Führung des Aufstands wurde inhaftiert, Largo Caballero zog sich von der Parteiführung zurück, was dem nun übernehmenden gemäßigten Flügel der PSOE erlaubte, unter der Bezeichnung Frente Popular eine Neuauflage der linksliberalen Koalition anzustreben.

Sieg der Volksfront

Im Februar 1936 gewann dieses Bündnis, dem sich im letzten Moment auch die stalinistische PCE anschließen konnte und zu dem bezeichnenderweise ebenso die von ihrer abgespaltene sowie an Trotzki orientierte POUM gehörte. Dies gelang, da die Anarchisten diesmal nicht zur Wahlenthaltung aufriefen. Als die Volksfrontregierung, der die Sozialisten zunächst nicht angehörten, sich an die Fortführung der 1933 unterbrochenen Reformpolitik machte, sah sie sich einerseits einer Mobilisierung eines Teils der Landarbeiter gegenüber, die Landbesetzungen begannen, andererseits traf sie auch auf den nun gewaltsamen Widerstand der extremen Rechten, deren radikalster Teil, die faschistische Falange unter dem Sohn des früheren Diktators Primo de Rivera immer größere Teile der sich nun wieder auflösenden CEDA an sich ziehen konnte.

Parallel dazu planten mehrere rechtsgerichtete Generäle einen erneuten Putsch. Dieser, dem sich neben dem größten Teil der Armee auch die Guardia Civil weitgehend anschloss, wurde ausgelöst, als Mitte Juli ein bekannter monarchistischer Politiker ermordet wurde. Aber diese „präventive Konterrevolution“ (Luigi Fabbri) traf diesmal auf den erbitterten Widerstand weiter Teile der Bevölkerung, insbesondere der Arbeiterorganisationen unter Einschluss der Anarchisten. Hieraus entwickelte sich der Bürgerkrieg, der im April 1939 mit der Niederlage der Republik endete, die den Beginn der dreieinhalb Jahrzehnte andauernden Diktatur Francos markierte.

Spanische und internationale Verwicklungen

Ohne auf die einzelnen militärischen oder die auf beiden Seiten insbesondere in den ersten Tagen des Konfliktes gegen tatsächliche oder mutmaßliche Gegner begangenen Gewalttaten detailliert einzugehen, sollen hier mehrere wichtige spanische wie internationale Verwicklungen des Konflikts hervorgehoben werden: Der Putsch weitete sich zu einem Bürgerkrieg aus, der wiederum eine soziale Revolution auslöste. In weiten Teilen des sich in zwei verfeindete Zonen spaltenden Landes, schlugen Arbeiter Militäraufstände nieder, besetzten Land und Fabriken. Daran beteiligten sich nicht nur die Anarchisten, sondern auch große Teile der UGT sowie der POUM. Während sich die bürgerlichen Parteien innerhalb der Republik weitgehend auflösten, stemmte sich der rechte Flügel der Sozialisten, bemerkenswerterweise unterstützt durch die aus der Moskauer Komintern-Zentrale gesteuerte PCE, gegen die spontanen Enteignungen der ersten Wochen und Monate. Diese beiden Kräfte bemühten sich um Eindämmung der sozialen Revolution zugunsten einer Stärkung staatlicher Strukturen einschließlich der Eingliederung der Parteimilizen in die Volksarmee vor allem unter dem Eindruck der sich ungünstig entwickelnden militärischen Lage und ironischerweise unter dem Ministerpräsidenten Largo Caballero, der durch seine Politik revolutionäre Erwartungen befeuert hatte.

Innerhalb der Republik liefen Prozesse zunehmender politischer Fragmentierung ab. Die Aufständischen dagegen zwangen ihre verschiedenen politischen Strukturen trotz ideologischer Unvereinbarkeit unter Francos Führung in eine einheitliche Organisation. Währenddessen nahmen die Antagonismen innerhalb der Republik unter dem Druck der drohenden militärischen Niederlage zu und entluden sich zunächst im Aufstand von Anarchisten und POUM in Barcelona im Mai 1937, der von Regierungstruppen niedergeschlagen wurde – ein Bürgerkrieg im Bürgerkrieg. Die gewaltsame Disziplinierung der Revolutionäre setzte sich in anderen Teilen der Republik, insbesondere an der aragonesischen Front fort. Dies erhöhte zwar die Disziplin, ließ aber ebenso den revolutionären Elan verfliegen. Es war aber sicherlich richtig im Sinne der Stabilisierung der Volksarmee von Seiten der Zentralregierung regelnd einzugreifen. In diese Richtung hatten auch die in Spanien anwesenden Komintern-Berater gewirkt, die dies aufgrund der Erfahrung der Russischen Revolution taten. Im Zuge der folgenden Umbildung wurden Kommunisten erstmals außerhalb der UdSSR Teil einer nationalen Regierung.

Internationalisierung des Konfliktes

Von erheblicher Bedeutung für den Konflikt ingesamt war die internationale Einmischung. Das Deutsche Reich und Italien entschieden wenige Tage nach dem Putschversuch, Franco mit Waffen und Soldaten zu unterstützen. Die deutsche „Legion Condor“, die über den Verlauf des Einsatzes knapp 20.000 Mann durchliefen, ist auch heute noch ein Begriff. Ihr italienisches Pendant, CTV, umfasste im gesamten Verlauf rund 80.000 Mann. Beide nahmen an den Kampfhandlungen aktiv teil, so bei der Zerstörung der baskischen Stadt Guernica durch die deutsche Luftwaffe.

Das ebenfalls von einem Volksfrontbündnis regierte Frankreich war durch Weltwirtschaftskrise sowie innenpolitische Konflikte geschwächt und agierte weitgehend im Fahrwasser des konservativ regierten Großbritannien, das erstmals bei der Abessinien-Krise wenige Monate zuvor appeasement gegenüber Mussolini verfolgt hatte und dies ebenso in Bezug auf Spanien tat. Auch in diesem Falle setzte die britische Regierung – wohlgemerkt zu jener Zeit die Weltmacht – darauf, den Völkerbund auszuschalten und initiierte einen in London tagenden Nicht-Interventionsausschuss europäischer Staaten. Dieser wurde in seiner Funktionsweise zum Feigenblatt für die weithin bekannte Intervention der Achsenmächte zugunsten der Aufständischen einer- und die weitgehende Untätigkeit der Westmächte gegenüber der Republik andererseits. Dieser Ausschuss, ebenfalls eine historische Innovation, nahm allein schon wegen seiner Funktion, die legitime spanische Regierung von Waffenlieferungen abzuschneiden, eine völkerrechtlich höchst problematische Rolle ein.

Neu war auch die sowjetische Unterstützung, deren Charakter eine jahrzehntelange Kontroverse in der internationalen Linken hervorrief. Die Sowjetunion jener Jahre – keineswegs mit der aus dem 2. Weltkrieg hervorgehenden Supermacht zu verwechseln – war dabei, die Folgen der Stalinschen Politik der Zwangskollektivierung der Landwirtschaft zu überwinden, hatte den Kurs der forcierten Industrialisierung eingeschlagen, und die Führung war sich einer seit 1933 drohenden deutschen Aggression bewusst. Für das stalinistische Regime kam der Spanische Bürgerkrieg einerseits wegen der innenpolitischen Situation zu einem ungünstigen Zeitpunkt, andererseits konnte es aber nun auch versuchen, sich an der Seite der Spanischen Republik als zuverlässiger Partner in Umsetzung der von ihm selbst entworfenen und sich an die Westmächte zur Eindämmung der faschistischen Gefahr in Europa wendende Konzeption der „Kollektiven Sicherheit“ zu beweisen. Deshalb und wegen Restbeständen an proletarischem Internationalismus griff die UdSSR unter Stalins Führung erstmals in einem anderen europäischen Staat mit militärischer Unterstützung ein, auch wenn dies nicht öffentlich zugegeben wurde. Dieser Internationalismus zeigte sich auch in den zum Teil sicherlich auch orchestrierten Solidaritätsbekundungen der Belegschaften industrieller Betriebe. Hier wurde das Schicksal der Spanischen Republik mit der drohenden Gefahr für die Sowjetunion selbst – in Ostasien kam es bereits 1937/38 zu bewaffneten Auseinandersetzungen mit Japan – verknüpft. Sie dienten somit der Erhöhung eigener Verteidigungsbereitschaft und Arbeitsdisziplin. Dies wiederum verband sich mit der ebenfalls seit Sommer 1936 einsetzenden Suche nach Spionen, Saboteuren und Feinden des Volkes, wie sie durch die Schauprozesse bis 1938 beispielhaft vorgeführt wurde.Die entfesselte Dynamik des Terrors, „eine Art Bürgerkrieg innerhalb der herrschenden Elite selbst“ (Gábor Tamás Rittersporn), ließ keinen der mit der Hilfe für die Spanische Republik befassten zentralen Apparate unberührt: die Volkskommissariate für Äußeres, Inneres und Verteidigung ebenso wie der zentrale Apparat der Kommunistischen Internationale wurden durch den Terror hart getroffen. Dies schwächte den Einsatz in Spanien. Alle führenden Diplomaten, rund ein halbes Dutzend an der Zahl, wurden nach ihrer Rückkehr aus Spanien hingerichtet. Dies traf ebenso mit einer gewissen Zeitverzögerung auf manche der militärischen Spitzenberater zu. Andere jedoch, wie der spätere sowjetische Verteidigungsminister Rodion Malinovskii, machten noch Karriere.

Militärisches Gewicht hatte die Entsendung von Beratern ab August 1936 sowie militärischer Ausrüstung seit dem Frühherbst, also deutlich später als von Seiten Deutschlands oder Italiens. Die Zahl der entsandten Militärs belief sich bis zum Ende des Konflikts auf insgesamt rund 3.000, also auch signifikant weniger als von faschistischer Seite. Dennoch spielte das entsandte sowjetische Luftkommando bei der Verteidigung Madrids im Herbst 1936 beispielsweise eine wichtige Rolle. Dabei bezahlte die Republik die Waffenhilfe zum Großteil mit den nach Moskau evakuierten Goldreserven ihrer Zentralbank.

Internationale Brigaden

Ein Restbestand an internationaler proletarischer Solidarität manifestierte sich im seitens der Komintern-Führung im Spätsommer gefassten Beschluss, Internationale Brigaden zu organisieren. Die Bewegung hatte bereits in den Wochen zuvor spontan begonnen. Nun wurden insbesondere über die französischen Kommunisten systematische Rekrutierung und Schleusung der zumeist kommunistischen, aber auch sozialistischen, anarchistischen oder linksliberalen Freiwilligen abgesichert. Die Brigaden, die Teil der Spanischen Volksarmee waren, brachten unter den Älteren Kriegserfahrung mit und waren sicherlich vom Kampf gegen den Faschismus beseelt. Die legendären, 1938 aufgelösten Internationalen Brigaden spielten mit rund 40.000 Mann Stärke in einigen Schlachten des Kriegs eine durchaus wichtige militärische, aber sicherlich vor allem eine politische Rolle. Sie waren vermutlich der einzige Erfolg der seit 1939 weitgehend funktionslosen und 1943 aufgelösten Komintern.

Die Frage, ob die Sowjetunion die Spanische Republik unter ihre Kontrolle bringen wollte oder konnte, ist definitiv zu verneinen, dazu war sie viel zu schwach. Spanien ist trotz zum Teil semantischer Ähnlichkeiten keine Volksrepublik im Sinne Osteuropas seit 1945 gewesen, anders herum hat die Sowjetunion jedoch Schlüsse aus dem spanischen Beispiel gezogen.

Gründe für das Scheitern

Die Spanische Republik scheiterte an mehreren Faktoren: Während die Aufständischen ein hohes Maß an militärischer Erfahrung und Disziplin mit massiver Unterstützung Hitlers und Mussolini und zunehmender politischer Geschlossenheit vereinen konnten, nahm die bereits vor Beginn des Bürgerkrieges vorhandene Fragmentierung politischer Kräfte in der Tendenz noch zu, auch wenn dem entgegengesteuert wurde.

Hier ist zunächst auf die tiefe Spaltung der Arbeiterbewegung zwischen anarchistischem und marxistisch inspiriertem Zweig, aber insbesondere auf die Konflikte innerhalb der PSOE, der wichtigsten Partei der Republik zu verweisen. Von den beiden mächtigsten europäischen Staaten allein gelassen hatte die Republik in der Sowjetunion einen eher schwachen, selbst von inneren Konflikten belasteten Unterstützer gefunden. Die innersowjetischen Probleme trugen zum Misstrauen der Westmächte bei und ließen eine Zusammenarbeit zugunsten der Spanischen Republik und Kollektiver Sicherheit unmöglich werden.

Auch wenn sich die Republik bemerkenswerterweise fast drei Jahre lang gegen einen militärisch übermächtigen Feind behaupten konnte, wurde der Druck dieser Übermacht mit zunehmenden territorialen Verlusten immer höher, ihre Ressourcen, dem zu widerstehen, immer geringer. Daran zerbrach die fragile innere Einheit der Republik, die nach einem weiteren Putsch erneut in einen Bürgerkrieg im Bürgerkrieg verfiel. Die letzten Wochen waren für Franco ein leichtes Spiel.

Ein Denkmal im Hafen von Alicante erinnert heutzutage an das Ende, als insbesondere italienische Kräfte dort die letzten paar Tausend republikanischer Soldaten, die nicht mehr hatten fliehen oder Selbstmord begehen können, festsetzten. Die Gefangenen sahen in den Lagern der Diktatur Francos einem grausamen Schicksal entgegen.

2026-07-14T18:51:09+02:00
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