Heft 267
max von der grün und die arbeiter:innenliteratur
#kultur #kritik #spw

© Privat
Henning Podulski ist Literatur- und Kulturwissenschaftler und forscht am Fritz-Hüser-Institut für Literatur und Kultur der Arbeitswelt zur literarischen Darstellung von Lohn- und Reproduktionsarbeit, zur Geschichte und Kontinuität der Arbeiter*innenliteratur und -bewegung sowie zur Konstruktion von Gegenöffentlichkeiten.
von henning podulski
„Es tun mir viele Dinge weh, die anderen nur leid tun.“1
In diesem Jahr wird der 100. Geburtstag Max von der Grüns begangen.2 Der 1926 in Bayreuth als Sohn einer Dienstmagd und eines Knechts geborene Wahl-Dortmunder wächst zunächst in Oberfranken auf und zieht dann nach Pavlův Studenec (dt. Paulusbrunn). Sein Stiefvater, Mitglied der Bibelforscherbewegung, wird von den Nationalsozialisten verfolgt und im KZ inhaftiert. Von der Grün verliert seine Lehrstelle, wird 1943 zum Reichsarbeitsdienst eingezogen, im Krieg als Funker eingesetzt, gerät 1944 in amerikanische Kriegsgefangenschaft und kehrt erst einige Jahre später nach Deutschland zurück. Nach verschiedenen Tätigkeiten geht er in den Ruhrbergbau, zunächst mit der Absicht, nur für einige Jahre zu bleiben – es sollte für immer sein.
Vom Abbauhobel und den Öffentlichkeiten
Auf der Zeche arbeitet von der Grün zunächst als Hauer, später, nach einem Unfall, als Grubenlokomotivführer. Die Arbeitswelt wird zum Material seiner Literatur: In Irrlicht und Feuer (1963) schildert er eine von Rationalisierung, Beschleunigung und Gefahren geprägte Arbeitswelt unter Tage. Besonders eindrücklich ist eine Szene, in der einem Bergmann durch eine abgerissene Kette der Kopf abgeschlagen und schließlich bis über Tage gefördert wird. Produktivitätssteigerung, technischer Fortschritt, Strukturwandel und die Gefährdung der Arbeitenden gehen in seinem Roman Hand in Hand und werden darin weder von Unternehmens- noch von Gewerkschaftsseite konsequent kontrolliert. Dass von der Grün diese Umstände literarisiert, stößt beiden Parteien sauer auf.3
Brisant werden diese Passagen, als im März 1963 ein Romanauszug in der Sonderbeilage zu den Ruhrfestspielen vorabgedruckt wird. Die Darstellung der Arbeiter unter Tage gelangt an eine breitere Öffentlichkeit, in die Büros der Zechenleitung, auf der von der Grün arbeitet, bis zur Firma, die die Kohlegewinnungsmaschinen vertreibt. Es folgen massive Versuche, die Veröffentlichung des Romans zu verhindern: von der Grün wird gedrängt, sein Buchprojekt zurückzuziehen oder zu kürzen, der Verlag wird unter Druck gesetzt, und die Herstellerfirma beantragt schließlich eine einstweilige Verfügung, die in dritter Instanz gerichtlich abgewiesen wird. Diese Auseinandersetzung bleibt für von der Grün nicht folgenlos: Er wird schikaniert, in die Nachtschicht versetzt, schließlich entlassen und auf eine schwarze Liste gesetzt, um eine anderweitige Anstellung zu verhindern. Es zeigt sich, wie eng Betriebs- und bürgerliche Öffentlichkeit sowie ökonomische Macht miteinander verschränkt sind. Der Versuch von der Grüns, die Arbeitswelt via Öffentlichkeit unter den Schutz der Gesellschaft zu bringen, wird mit Arbeitskampf von oben beantwortet. Bemerkenswert ist die wechselnde Haltung der Gewerkschaften. Zunächst unterstützen sie von der Grün noch. Im Verlauf des Verfahrens distanzieren sie sich jedoch zunehmend, denn inzwischen ist auch der gesamte Roman zu lesen und nicht nur die Unternehmen, sondern auch Betriebsräte und Gewerkschaften werden kritisiert. Damit tritt ein Konflikt innerhalb der Arbeiter:innenöffentlichkeit hervor. Literatur der Arbeitswelt4 und Gewerkschaften verfolgen nicht notwendigerweise dieselben Strategien und Interessen. Öffentlichkeiten sind keine herrschaftsfreien Räume, aber auch keine, die sich vollständig kontrollieren lassen.
Traditionen einer Spaltung
Max von der Grüns Anliegen, für die Erfahrungen der Arbeitenden in der Arbeitswelt Öffentlichkeit herzustellen und damit die Gesellschaft zu verändern, dokumentiert die Verbindung zur langen Tradition der Arbeiter:innenliteratur. Dabei habe es ihn „nie gekümmert, was Arbeiterliteratur sei oder was nicht”5. Und auch von Begriffen wie schreibender Arbeiter hält er nicht viel: „Wenn ich schreibe, arbeite ich”6, so der Dortmunder Autor. Von der Grün adressiert einen bis heute andauernden Diskurs über die Bedeutung sog. Arbeiter:innenliteratur, der neben der Definition dieser Literatur (wer schreibt über wen, für wen und mit wem als Inhalt?) auch die Nähe zur Arbeiter:innenbewegung als konstituierendes Merkmal akzentuiert7 und heftige Auseinandersetzungen geprägt hat.
Seit der Herausbildung der Arbeiter:innenbewegung in Deutschland spiegeln sich auch in der Arbeiter:innenliteratur die durch Reform- oder Revolutionsdenken geprägten Strömungen der Bewegung wider8. Den Höhepunkt bildet die Spaltung der Arbeiter:innenbewegung im Laufe des Ersten Weltkrieges. Während, vor allem aber nach der Umstrukturierung der deutschen KPD nach sowjetischem Vorbild Mitte der 1920er-Jahre bestehen mit dem Bund proletarisch-revolutionärer Schriftsteller und der damit zusammenhängenden Arbeiterkorrespondentenbewegung erklärt revolutionäre Organe der revolutionären Arbeiter:innenliteratur. Es gibt sie bis zur Zerschlagung durch die Nationalsozialisten. In deren Kontext schreiben Autor:innen wie Kurt Kläber, Egon Erwin Kisch, Berta Lask oder Anna Seghers. Parallel existieren mit den Werkleuten auf Haus Nyland (1912–1925) oder dem Ruhrlandkreis (1923–1932) ebenfalls Autor:innenkreise, die bisweilen eher Standesdichtung (vor allem bergmännischer Natur) produzieren und dabei eher reformorientierte Positionen vertreten, wie Heinrich Lersch, Max Barthel oder Otto Wohlgemuth.
Nachdem im deutschen Faschismus der Großteil der Arbeiter:innenliteratur beider Lager zerschlagen und die Autor:innen verfolgt werden, wird in Westdeutschland mit der Bergbauliteratur der 1950er-Jahre, teilweise von Bergbauunternehmen unterstützt, eine neuerliche Standesdichtung befördert, die in der Tradition reformistischer Arbeiter:innenliteratur steht.9 Neue Impulse entstehen dann im Westen mit der Gründung der Dortmunder Gruppe 61 um Max von der Grün, Fritz Hüser und Walter Köpping. Sie suchen explizit nicht nach direktem Anschluss an alte Traditionslinien und auch nicht an die zeitgenössische Literatur des Bitterfelder Weges in der DDR.10 In der Gruppe werden Autor:innen wie Elisabeth Engelhardt, Bruno Gluchowski, Günter Wallraff oder Hildegard Wohlgemuth aktiv.
Anders in der DDR: Dort werden ehemalige Mitglieder des Bundes proletarisch-revolutionärer Schriftsteller wie Hans Marchwitza oder Johannes R. Becher zu zentralen Ankerpunkten des staatlichen Literatursystems der DDR. Mit dem Bitterfelder Weg („Greif zur Feder Kumpel“) entstehen Zirkel schreibender Arbeiter als eine zugleich literaturpolitisch unterstützte Organisationsform. Hier wird die literarisch-künstlerische Sphäre mit der arbeitsweltlichen Sphäre im sog. Realsozialismus verschränkt, indem einerseits Autor:innen die Arbeitswelt aufsuchen (Franz Fühmann, Brigitte Reimann, Christa Wolf etc.) und zugleich in den Zirkeln Beschäftigte Literatur wie Betriebsromane, Reportagen, Brigadetagebücher etc. schufen.11
Zwischen Ost und West entstanden durchaus auch Verbindungslinien: Neben der Veröffentlichung von Texten westdeutscher Autor:innen in der DDR – wie etwa die Gruppe 61-Anthologie Seilfahrt, die 1967 im Aufbau-Verlag erschien, – gab es vereinzelte Korrespondenzen. Darüber hinaus reisten Autor:innen wie Erika Runge für literarische Projekte in die DDR, westdeutsche Romane wurden in der DDR verfilmt, wie Irrlicht und Feuer (1966). Diese Verbindungen in die DDR waren im antikommunistischen Klima des Westens der 1960er- und 1970er-Jahren weder unkompliziert noch ungefährlich.12
Max von der Grüns selbsterklärter Anspruch an sein Schreiben ist es, die gesellschaftlichen Verhältnisse zu verändern, denn er könne nicht schreiben, wenn er nicht davon ausginge, „daß die Zukunft der Menschheit im Sozialismus liegt.“13 Allerdings: Dass von der Grün den Weg dahin vor allem als einen der Reformen und nicht der Revolution denkt,14 ist eine weitere Wiederholung der historisch verlaufenden Trennung zwischen reformerischer und revolutionärer Arbeiter:innenliteratur, die sich abgeschwächt auch zwischen der Gruppe 61 und dem Werkkreis Literatur der Arbeitswelt zeigt.15 Dieser geht 1970 nach fortschreitender Politisierung und internen Auseinandersetzungen zur Rolle der Autor:innen in der Gesellschaft aus der Gruppe 61 hervor und will den Zugang zu Öffentlichkeit für abhängig Beschäftigte befördern. Im Werkkreis organisieren sich nach eigenen Angaben zur Hochphase über 300 Personen, davon ca. 70 % Beschäftigte, in insgesamt 30 Grafik-/Literatur-Werkstätten im deutschsprachigen Raum. Dazu zählen Autor:innen wie Franco Biondi, Liselotte Rauner, Herbert Somplatzki sowie der Gründer und langjährige Sprecher Erasmus Schöfer.
Von der (Un-)Möglichkeit eigenständiger Öffentlichkeiten
Als Erasmus Schöfer Jahrzehnte später einräumt, man sei nur fünf Jahre nach Gründung des Werkkreises am Ausgangspunkt angelangt, eingezwängt zwischen Gewerkschaften, liberalen und sozialdemokratischen Kulturzentren, der intellektuellen Linken und den Kommunisten,16 macht er indirekt auch auf ein anhaltendes strukturelles Problem der Arbeiter:innenliteratur aufmerksam.
Bereits Oskar Negt und Alexander Kluge haben festgestellt, dass die Arbeiter:innenöffentlichkeit zwangsläufig als „Variante der bürgerlichen“ erscheine, da sich die Energien der Arbeiter:innenbewegung in Organisationsformen der bürgerlichen Öffentlichkeit nachbildeten und anpassten, anstatt eigene Formen und eigene Öffentlichkeit auszubilden.17 Bürgerliche Öffentlichkeiten bedienten sich dabei Methoden der Isolierung, Aufspaltung, Verdrängung, Tabuisierung oder Assimilation und hegten so den proletarischen Erfahrungszusammenhang ein, brächten ihn unter Kontrolle und das über die unterschiedlichen Traditionslinien der Arbeiter:innenliteratur hinweg.18 Sie schränken bis heute die Konstellation von proletarischen Erfahrungszusammenhängen und Arbeiter:innenöffentlichkeiten ein und verhindern die Ausbildung unabhängiger proletarischer Öffentlichkeiten. Gleichzeitig reproduzierten diese historischen Varianten dieser Öffentlichkeiten ihrerseits auch Ausschlüsse und übernahmen Verfahrensweisen bürgerlicher Öffentlichkeit(en), indem sie proklamierten, ‚das Ganze‘ darzustellen. In der Folge wurden die Erfahrungen von mehrfach marginalisierten Personengruppen an den Rand gedrängt. So gesehen bilden Veröffentlichungen des Werkkreises wie Liebe Kollegin. Texte zur Emanzipation der Frau (1973), Sehnsucht im Koffer (1981) oder Margot Schroeders Ich stehe meine Frau (1978) eher die Ausnahme als die Regel. Ab den 1970er-Jahren treten daneben vermehrt interkulturelle Autor:innen wie Semra Ertan, Güney Dal, Rafik Schami oder Aras Ören an die (literarische) Öffentlichkeit. Allerdings greifen auch hier die Mechanismen bürgerlicher Öffentlichkeit, und (mehrfach) marginalisierte Stimmen finden nur durch erhebliche Gegenwehr Gehör.19
Ja, und heute?
Mit der breiten Rezeption von Didier Eribon, Anni Ernaux oder Èdouard Louis geht die literarische Bearbeitung sozialer Herkunft nicht nur über den Buchladentisch und wird im Feuilleton besprochen, sondern findet auch Einzug in den kulturwissenschaftlichen Forschungsbetrieb, wobei vielfach aufmerksamkeitsökonomische Aspekte gegenüber dem Erkenntnis- und Forschungsinteresse sui generis überwiegen dürften und manch unscharfer Blick auf soziale Herkunft auch die ökonomischen Grundlagen außen vor lässt. Die Blicke der Romanschreibenden sind dabei in den allermeisten Fällen literarische, soziologisch fundierte, meist an Pierre Bourdieu anknüpfende Erkundungen des eigenen Lebenslaufs oder der Lebenswege der Eltern. Meist wird hier das zeitgenössische Autor:innen-Ich im Kontrast zur Klassenherkunft gesetzt. Damit hängen für die Autor:innen maßgeblich gewandelte, als kaum noch anschlussfähig beschriebene Erfahrungszusammenhänge und die nun selbst erlebten, und in Teilen auch reproduzierten Distinktionsprozesse und ‚feinen Unterschiede‘ zusammen. Die „‚Arbeiterklasse‘ ist in d[ies]er neuen ‚Klassenliteratur‘ fast ausschließlich ein Synonym für soziale Herkunft aus Arbeiterfamilien“, so Mesut Bayraktar für die Z. (2022)20 und ihre Mitglieder erscheinen nicht als lebendige, handelnde Subjekte mit eigener Handlungsmacht, möchte man anschließen.
In seiner lesenswerten Kritik an der Literatur Eribons oder Louis‘, in der er zurecht Anni Ernaux explizit ausklammert, bezeichnet Frédéric Valin ausgehend von der Entwicklung „[v]om Wir zum Ich“ die Literatur dieser Autoren unter Abgrenzung von der Arbeiter:innenliteratur als „Arbeiter:innenkinderliteratur“.21 Denn, und hier schlage ich abschließend die Brücke zum Anfang, Eribon und Louis beflügeln nicht den proletarischen Emanzipationsprozess, auch wenn sie Öffentlichkeit für Fragmente des proletarischen Erfahrungszusammenhangs schaffen – denn auch hier bleiben proletarische Erfahrungen assimilier-, tabuisier- und ausblendbar, wie es Negt und Kluge in den 70er-Jahren konstatieren.22 Der Großteil der heute salopp als ‚Arbeiter:innenliteratur‘ oder ‚Klassenliteratur‘ betitelten Romane sind autosoziobiografische Romane, die das Aufwachsen im Arbeitnehmendenmilieu, bisweilen auch in der Mittelschicht, schildern, oder Texte, die entsprechend ihrer Sujets eher zur Literatur der Arbeitswelt zählen. Das heißt nicht, dass hier nicht die Klassengesellschaft literarisiert oder auch Klassenbewusstsein oder -solidarität bezeugt und erzeugt werden kann – es ist nur eher selten der Fall. Ausnahmen wie Mesut Bayraktars Aydin (2021), Olivier Davids Von der namenlosen Menge (2024), Deniz Ohdes Streulicht (2020), Christian Barons Ein Mann seiner Klasse (2020) oder Miriam Davoudvandis jüngst breiter rezipiertes Das können wir uns nicht leisten (2026) bestätigen dabei die Regel.
Vielleicht muss man es zu seinem 100. Geburtstag mit Max von der Grün halten, den es nie gekümmert hat, „was nun Arbeiterliteratur sei oder was nicht“.23 Laut Max von der Grün kommt es vor allem auf zwei Dinge an: Erstens, Öffentlichkeit für die explizite Belange der Arbeitenden herzustellen und zweitens, die Gesellschaft damit für sie zu einem besseren verändern zu wollen.
Als Rezipierende sollten wir uns darüber hinaus vielleicht fragen, ob Autor:innen denselben Ausspruch wie Max von der Grün unterschreiben würden: „Es tun mir viele Dinge weh, die anderen nur leid tun“.24 Den proletarischen Interessen ist wenig mit Mitleid geholfen, hier bedarf es zumeist der Kämpfe, die wehtun, was von der Grün am eigenen Leib spüren musste.
Literatur
1Max von der Grün im Gespräch mit Heinz Ludwig, in: Schriftsteller im Gespräch II (1990), S. 62. Das Zitat stammt von Georg Christoph Lichtenberg, wie von der Grün anmerkt, aber lautet eigentlich „Es tun mir viele Sachen weh, die andern nur leid tun,“ und stammt aus Lichtenbergs Sudelbuch B 1768–1771.
2Zum 100. Geburtstag veranstaltet die Fritz Hüser-Gesellschaft mit Partner:innen u. a. Lesungen, Ausstellungen und Screenings. Dies bietet Anlass, von der Grün nicht nur als regionalen Autor, sondern als Schriftsteller zu lesen, der aus der Arbeitswelt heraus Öffentlichkeit für die Belange lohnabhängig Arbeitender herstellt und so in aktuellen Debatten über Arbeiter:innenliteratur, Klassenliteratur und Literatur der Arbeitswelt hineinragt.
3Dazu weiterführend siehe Peter Kühne: Arbeiterklasse und Literatur (1972), S. 131–145.
4Zum Begriff und der Abgrenzung von der Arbeiter:innenliteratur siehe Iuditha Balint: Literatur der Arbeitswelt. Was sie einmal war und was sie heute ist. In: Heimat Dortmund (Heft 1/2023), S. 3–7.
5Ebenda, S.40
6Max von der Grün im Interview mit Heinz Ludwig Arnold in Schriftsteller im Gespräch II (1990), S. 164.
7Zur Geschichte der Arbeiter:innenliteratur siehe einführend u. a. Gerald Stieg/Bernd Witte: Abriß einer Geschichte der deutschen Arbeiterliteratur (1973), Frank Trommler Sozialistische Literatur in Deutschland. Ein historischer Überblick (1976) und Ursula Münchow: Arbeiterbewegung und Literatur 1860-1914 (1981). Siehe zum Begriff der ‚Arbeiterliteratur‘ v. a. Walter Fähnders: Arbeiterliteratur. In: Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft Bd. 1 (2007), S. 120–122.
8Zur Geschichte der Arbeiter:innenbewegung siehe einführend u. a. Wolfgang Abendroth: Einführung in die Geschichte der Arbeiterbewegung (1985), Helga Grebing: Arbeiterbewegung. Sozialer Protest und kollektive Interessenvertretung bis 1914 (1985) sowie Axel Kuhn: Die deutsche Arbeiterbewegung (2004).
9Weiterführend zur Literatur der Arbeitswelt nach dem Zweiten Weltkrieg siehe v. a. Krystyna Nowak: Arbeiter und Arbeit in der westdeutschen Literatur 1945–1961 (1977) sowie Jörg Braunert: Arbeiterliteratur nach 1945 in der BRD (1974).
10Zur Geschichte der Dortmunder Gruppe 61 siehe v. a. Peter Kühne: Arbeiterklasse und Literatur (1972).
11Dazu weiterführend siehe Rüdiger Bernhardt: Vom Schreiben auf dem Bitterfelder Weg (2016), Anne M. N. Sokoll: Die schreibenden Arbeiter der DDR (2021) sowie das achtbändige Werk Literatur in der SBZ/DDR. Bibliografische Annalen 1945–1990, herausgegeben von Horst Tannenberg und Reinhard Hillich. Darüber hinaus empfiehlt sich der von Franziska Haug herausgegebene Band „bin weiblich, bin männlich, doppelt“ Queere DDR-Literatur (2025).
12Exemplarisch sind hier auch die Reaktionen der Öffentlichkeit(en) auf Günter Wallraffs Reportagen. Vgl. dazu Kühne: Arbeiterklasse und Literatur (1972), insbes. S. 145–160.
13Arnold 1990, S. 65.
14Dies bekundet er ebenfalls im Interview mit Arnold. Vgl. ebenda, S. 75.
15Zum Übergang zwischen Dortmunder Gruppe 61 und Werkkreis Literatur der Arbeitswelt siehe u. a. Henning Podulski: Darstellung, Kritik und Identität. Zum Verhältnis von Klasse und Arbeit in der Dortmunder Gruppe 61 und im Werkkreis Literatur der Arbeitswelt. In: Klassenverhältnisse in der Literatur (2026), S. 187–208.
16Vgl. Erasmus Schöfer: Werkkreis Literatur der Arbeitswelt. Eine 5. Kolonne der Kunstproduzenten oder: Die organisierte Utopie einer demokratischen Literatur. In: Literatur in Westfalen. Beiträge zur Forschung Bd. 17. (2020), S. 203–237.
17Oskar Negt/Alexander Kluge, Öffentlichkeit und Erfahrung. Zur Organisationsanalyse von bürgerlicher und proletarischer Öffentlichkeit, Farnkfurt am Main 1972, S. 108.
18Vgl. Negt/Kluge 1972, S. 66.
19Zur s. g. ‚Gastarbeiter:innenliteratur‘ siehe u. a. Maha El Hissy (Hg.) »Die ganze Geschichte fasse ich an der Hand«. Literatur und Kunst zur Einwanderung ins Nachkriegsdeutschland (2025) sowie Özkan Ezli Narrative der Migration. Eine andere deutsche Kulturgeschichte (2022) sowie zum soziologisch-historischen Komplex Veronika Kourabas Die Anderen ge-brauchen. Eine rassismustheoretische Analyse von ›Gastarbeit‹ im migrationsgesellschaftlichen Deutschland (2021).
20Mesu Bayraktar: Literatur und Klassenbewusstsein: Aspekte einer klassenbewussten Literatur der Gegenwart. In: Zeitschrift marxistischer Erneuerung (Z. 132 / 2022) https://www.zeitschrift-marxistische-erneuerung.de/de/article/4066.literatur-und-klassenbewusstsein.html (zuletzt aufgerufen am 22.05.2026).
21Frédéric Valin: Gegen Eribon. In: nd – Journalismus von links https://www.nd-aktuell.de/artikel/1182275.arbeiter-innenkinderliteratur-gegen-eribon.html (zuletzt aufgerufen am 22.05.2026). Gleichzeitig geht mir der Diskurs um den ‚Klassenverrat‘ hier tatsächlich ein wenig zu weit, weil ein Verrat für mich den Bruch eines Vertrauensverhältnisses bedeutet, dass ich hier nicht genuin als gegeben annehme. Selbst wenn sich Eribon als Marxist oder Trotzkist bezeichnet, würde ich ihn davon ausgehend noch kein Klassenbewusstsein unterstellen, was er verraten könnte. Eine andere Einordnung des Verratsvorwurf leistet Iuditha Balint: Klassenverrat. In: TAGEBUCH (H. 2 / 2025) https://tagebuch.at/2025/02/klassenverrat/ (zuletzt abgerufen am 22.05.2026).
22Beispiele dafür lassen sich nicht nur in der literarischen Prosa finden, sondern auch im Sachbuchbereich, wovon Hanno Sauers Buch Klasse (2025) und die daran entbrannte Diskussion um die Vorschusspolitik von Verlagen zeugen. Zur Kritik am Buch siehe Maurice Wellers lesenswerte Rezeption: Klassismus- statt Klassenbewusstsein https://politischeoekonomie.com/klassismus-statt-klassenbewusstsein/ (zuletzt abgerufen am 22.05.2026) sowie zur Debatte um die Vorschusspolitik den Beitrag von Knut Cordsen: Noch ein Gender-Pay-Gap? Streit um Buch-Vorschüsse https://www.br.de/nachrichten/kultur/noch-ein-gender-pay-gap-streit-um-buch-vorschuesse,VKFfWiq (zuletzt abgerufen am 22.05.2026).
23Arnold 1990, S. 40.
24Ebenda, S. 62.
