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Gibt es linken Fussball, ist die FIFA reformierbar – und wer wird Weltmeister? interview mit philipp köster

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© Anna Dittrich/DER SPIEGEL

Philipp Köster ist Gründer und Chefredakteur des Fachmagazins 11 Freunde.

Interview mit philipp köster

spw: Zwischen Hinschauen und Boykott – wie blickst Du auf die Weltmeisterschaft in den USA?

Philipp Köster:Wenn wir ehrlich sind, hat eine Boykott-Debatte anders als vor der WM 2022 in Katar nie stattgefunden. Als Oke Göttlich, der Präsident des FC St.Pauli, das Wort nur mal in den Mund genommen hat, wurde er von sämtlichen Funktionären sofort energisch weggebissen. Wir erleben gerade eine gnadenlose Entpolitisierung des Fußballs, der zugleich von der Weltpolitik so durchgeschüttelt wird wie selten zuvor. Die Funktionäre werden merken, dass sie der gesellschaftlichen Verantwortung nicht ausweichen können – insofern wird das ein spannendes Turnier.

spw: Ist eine demokratische Organisation des Fußballs möglich – kurz: Lässt sich die FIFA reformieren? Oder ist die gerne geäußerte Kritik am Fußballweltverband und den großen Verbänden nur ein Abarbeiten an den Oberflächenphänomenen des modernen Fußballs?

P.K.: Nein, die FIFA ist nicht reformierbar, nicht durch äußeren Druck und von innen schon gar nicht. Sie ist das oberste Gremium einer bizarren Parallelgesellschaft, die durch die enorme Popularität ihres Geschäftsbetriebs nahezu unverwundbar ist. Und solange sich alle Akteure einig sind, dass der oberste Daseinszweck der FIFA ist, Geld zu verdienen, wird sich gar nichts ändern.

spw: Investoren – ein trotz 50+1-Regelung auch im deutschen Fußball verlorener Kampf? Oder anders gefragt – für welches Verhältnis zwischen großen Kapitalgebern und Mitgliedervereinen lohnt der Einsatz?

P.K.: Die 50+1-Regel ist ein Rettungsanker, mehr nicht. Im Alltag bestimmen natürlich Investoren und klassische Funktionäre das Geschehen. Es ist ja eine absolute Seltenheit, dass Vereinspräsidenten aus der Fanszene kommen, von Geschäftsführern ganz zu schweigen. Am Ende ist also letztliche Entscheidungsmacht der Mitglieder vor allem eine Mahnung an die ausgegliederten Kapitalgesellschaften, es nicht zu wild zu treiben. Das ist die Regel, ist aber wichtig. Das Beispiel des TSV 1860 München mit Hasan Ismaik zeigt, dass man sich keinem Investoren ausliefern sollte.

spw: Ein Blick aufs Spielfeld: Der argentinischen Trainerlegende César Luis Menotti wird das Bonmot zugeschrieben, „linker Fußball“ sei ein kreativer und offensiver Spielstil. Macht diese Feststellung Sinn, oder was wäre für Dich auf dem Platz „linker Fußball“?

P.K.: Sagen wir so, ich habe schon sehr viele unkreative Linke erlebt. Aber so klischeehaft das auch ist, mir gefällt der Gedanke, dass sich emanzipatorisches Denken auf dem Fußballplatz und in der Gesellschaft zusammen denken lassen. Leider können aber auch mentale Einzeller und stumpfe Rechtsausleger bisweilen auf dem Platz wunderschöne Dinge anstellen.

spw: Zum Schluss: auf was freust Du Dich mit Blick auf die Weltmeisterschaft – und dann doch noch die obligatorische Frage „Wer wird Weltmeister, und wo landet die deutsche Mannschaft“?

P.K.: Deutschland wird kein Weltmeister, aber schafft es ins Viertelfinale. Den Goldpokal stemmt am Ende Spanien in die Höhe. Langweilig, aber nicht zu ändern.

Die Fragen stellte Thilo Scholle.

2026-06-15T10:03:34+02:00
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