Frühsozialismus trifft Spätkapitalismus

Solidarische Gesellschaft und solidarische Ökonomie: Das Erbe Robert Owens. Ein Colloquium aus Anlass des 80. Geburtstages von Michael Vester. Veranstaltet von der Rosa-Luxemburg-Stiftung in Kooperation mit dem Forum Neue Politik der Arbeit und der Zeitschrift spw.


Aufgrund der Corona-Pandemie haben die Kooperationspartner*innen spw, RLS und das Forum Neue Politik der Arbeit verabredet, das Colloquium nicht am 29./30.04. stattfinden zu lassen. Auch wenn die meisten Einschränkungen in Berlin seitens des Senats bisher auf den 19.04. terminiert sind, kann nach dem aktuellen Stand nicht davon ausgegangen werden, dass die Lage sich bis Ende April nachhaltig verbessert haben wird. Wir wollen das Colloquium ausdrücklich nicht absagen, sondern verschieben. Sobald die Pandemie-Lage verlässlichere Planungen zulässt, werden wir einen neuen Termin suchen und festlegen.


Mittwoch, 29. April und Donnerstag, 30. April 2020  in Berlin
im „Salon“, Franz-Mehring-Platz 1, 10243 Berlin

Vor 200 Jahren, am 1. Mai 1820, veröffentlichte Robert Owen den „Bericht an die Grafschaft Lanark“. Dieses Manifest wurde von Owen als radikales gesellschaftspolitisches Reformprogramm in einer tiefgreifenden historischen Übergangsphase formuliert. Es entwirft eine emanzipatorische Alternative zum Kapitalismus der industriellen Revolution.  Das Colloquium diskutiert die vielfältige historische Wirkung Owens und der owenitischen Bewegung auf die sozialistischen und anderen sozialen Bewegungen und Theorien und fragt nach der Aktualität seiner Impulse für die heutige historische Übergangsphase.   

Programm
Mittwoch, 29. April 2020  

13.00    Eröffnung 

13.15    Michael Brie: Die Entdeckung des Sozialismus in der Entstehung des Kapitalismus. Robert Owen und die Oweniten 

Es waren die Erfahrungen kapitalistischer unternehmerischer Praxis, aus denen Robert Owens sozialistische Vorstellungen, seine Anthropologie und Sozialtheorie, seine Strategien der Gesellschaftsveränderung und Bündnispolitik entstanden. Alle Grundprobleme einer radikalen transformatorischen Realpolitik sind damals formuliert worden und wurden praktisch bearbeitet. Im Spätkapitalismus gewinnt ihre Lösung neue Dringlichkeit.

14.00    Michael Vester: Robert Owen und die Entstehung antikapitalistischer Theorie und Praxis in England

Der Owenismus ist im Marxismus und der Arbeiterbewegung zur Praxis und Theorie eines basisdemokratischen, genossenschaftlichen Sozialismus kritisch weiterentwickelt worden – und in der breiteren sozialistischen Bewegung auch, über das Ökonomische hinaus, zu einer Theorie der gesellschaftlichen Emanzipation, nicht zuletzt einer emanzipatorischen Theorie des Geschlechterverhältnisses, der Erziehung und der Entwicklung der Lebensweise.

14.45    Kaffeepause 

15.15    Diskussion zu den Vorträgen: Aktualität und Stellenwert von Robert Owen

Moderation: Horst Kahrs
Einleitende Kurzreferate und Kommentare von
Peter Brandt: Die englische Gesellschaftsentwicklung und die Herausbildung
der Arbeiterklasse zur Zeit von Robert Owen.
Heiko Geiling: Genossenschaftsbewegungen in Europa aus der Perspektive
des Handwerkersozialismus zwischen 1830 und 1851.

17.00    Pause 

17.30    Panel 1: Bildungsarbeit und/als emanzipatorische Praxis 

Die Potentiale eines gesellschaftsverändernden Verhaltens in den arbeitenden Klassen und in der Bildungsarbeit – oder: Das Problem der „Erziehung der Erzieher“. In der dritten Feuerbachthese bezieht sich Marx direkt auf das Erziehungskonzept Owens und seiner Schule: „Die materialistische Lehre von der Veränderung der Umstände und der Erziehung vergisst, dass die Umstände von den Menschen verändert und der Erzieher selbst erzogen werden muss. Sie muss daher die Gesellschaft in zwei Teile – von denen der eine über ihr erhaben ist – sondieren. ([Zusatz von Engels:] Z.B. bei Robert Owen.)“ (MEW 3, S. 534) Für Owen und seine Nachfolger war die Bildungsarbeit eine zentrale Aktivität zur Gesellschaftserkenntnis und zur Motivierung für den Übergang in eine andere, solidarische Gesellschaft. Während Owen aber von dem mechanistischen Konzept ausging, dass die Menschen passiv durch Milieu und Erziehende geprägt würden, wird dieses Konzept später kritisch gewendet und das Milieu als aktiver sozialer Akteurszusammenhang verstanden. 

Moderation: Frank Heidenreich
Mit Beiträgen von
Helmut Bremer:
Gesellschaftsbild und Habitus der arbeitenden Klassen:
Hindernis oder Potential einer emanzipatorischen Bildungsarbeit?
Fritz Erich Anhelm:
Der Hysteresiseffekt in der Energiewende:
Verhaltensstrategien bei Betriebsräten, Arbeitsdirektoren und Gewerkschaften
Anschließende Diskussion mit Kurzbeiträgen von
Andrea Lange-Vester, Peter Jehle
und Thomas Leithäuser 

19:30    Imbiss und Ausklang des Abends in lockeren Gesprächsrunden 

Donnerstag, 30. April 2020 

09.00    Zum heutigen Potential einer nachkapitalistischen Produktionsweise  

Moderation: Stefan Stache
Arno Brandt und Uwe Kremer:
Digitaler Kapitalismus und gemeinwohlorientierte Infrastrukturökonomie
mit anschließendem Kommentar von Dieter Klein 

10.00    Kurze Pause 

10.15    Panel 2: Die Renaissance solidarisch-genossenschaftlicher Praxis – Solidarisierung durch alternative Bewegungen und Institutionen  

Moderation: Horst Kahrs
Daniel Gardemin: Wohnungsnot, Wohnungspolitik und Selbsthilfe als Gegenmacht
Wolfgang Sieber: Kommunale Beschäftigungspolitik und regionale Kooperation –
solidarische Alternativen zur neoliberalen Politik
Anschließende Diskussion mit Beiträgen von
Clarita Müller-Plantenberg, Rosário Costa-Schott, Werner Fricke, Helmut Martens,
Wilfried Kruse, Dieter Rink, Regina Grajewski, Manfred Liebel
 

12.00    Sozialistische Potentiale wirtschaftlicher Demokratie 

Moderation: Stefan Stache
Franziska Wiethold: Wirtschaftsdemokratie gegen den Strich gebürstet.
Mit anschließendem Kommentar von Max Reinhardt:
Welche Zukunft hat die Wirtschaftsdemokratie in der linken Programmatik?

13.00    Michael Brie und Michael Vester: Resümee und Ausblick auf den 250. Geburtstag von Robert Owen
(14. Mai 2021)

13.15    Ausklang des Colloquiums 

Organisatorisches
Wir bitten um Anmeldungen über die Web-Seite der RLS: www.roslux.de/robert-owen
weitere Informationen unter: Horst.Kahrs @ rosalux.org