Vorstellung der Zeitschrift für Fußball und Gesellschaft

Schwerpunktthema: Fußball und Politik

Heft 1/ 2019/ Jahrgang 1

Verlag Barbara Budrich, Opladen 2019

Die gesellschaftliche Relevanz des Fußballs wird seit Jahren sowohl im publizistischen Feuilleton wie auch in den Sozialwissenschaften immer wieder thematisiert. Zugleich ist offensichtlich, dass sich jenseits einzelner Schlaglichter über tatsächliche oder vermeintliche Spiegelungen gesellschaftlicher Entwicklungen im Fußball, über „Kommerzialisierung“ sowie die Entwicklungen der Fan-Kultur noch kein umfassender wissenschaftlich-gesellschaftlicher Diskurs etabliert hat. Vor diesem Hintergrund ist das Projekt der nun startenden „Zeitschrift für Fußball und Gesellschaft“ bemerkenswert.

In ihrer Einleitung halten die beiden MitherausgeberInnen Karolin Heckemeyer und Holger Schmidt fest, eine wissenschaftliche Betrachtung sei aus zumindest zwei Perspektiven fruchtbar: Der Untersuchung gesellschaftlicher Phänomene, Zustände und Entwicklungen im Fußball etwa mit Blick auf seine Organisation, seine Ökonomie, „den sozialen Gesellungsformen“ sowie im politischen Handeln der Akteure und Organisationen; sowie aus der Perspektive der SportlerInnen, als Wirtschaftsfaktor und als politische Bühne.

Die im ersten Heft enthaltenen Beiträge deuten das Potential dieses Ansatzes an, schöpfen es allerdings nicht vollständig aus – was auch daran liegen könnte das die Beiträge schon einige Zeit vor Drucklegung abgeschlossen worden zu sein scheinen. Zudem wäre insbesondere eine breitere Kontextualisierung und Einordnung der Erkenntnisse oft sinnvoll, etwa wenn der von Fans gegründete „FC United of Manchester“ mit seiner Community-Jugendarbeit vorgestellt wird, die Beschreibung der ansonsten verbreiteten Jugendarbeits-Konzepte im englischen Fußball sowie die Kontrastierung zur deutschen Situation aber sehr knapp ausfallen. Weitere Beiträge widmen sich der „50+1-Regel“ im deutschen Profifußball (der e.V. muss stets die Mehrheit auch an einem Profifußballverein halten), den Bezügen der Hooliganszene zu den rechtsextremen „Gida-Bewegungen“ in Deutschland sowie zum Thema Integration geflüchteter Kinder. Enthalten sind darüber hinaus ein Interview und eine Reihe Rezensionen.

[Thilo Scholle]