Digitales Arbeiten und Wirtschaften 

Tagungsbericht von der spw-Frühjahrstagung 2016  

Auf der spw-Frühjahrstagung in Dortmund diskutierten am 6. und 7. Mai etwa 25 Genossinnen und Genossen darüber, wie bei der Digitalisierung von Wertschöpfungsprozessen und den damit einhergehenden Veränderungen von Wirtschaft und Arbeit die Beteiligung der Menschen beim „Haben“ und „Sagen“ verteidigt oder besser noch: ausgeweitet werden kann.

Den Rahmen setzte dabei Dr. Arno Brandt mit seinem Vortrag über den „Digitalen Kapitalismus“. Dieser zeichne sich im Wesentlichen durch eine netzwerkartige Organisation von Wertschöpfung und die hohe Bedeutung von Wissen aus. Dies unterscheide ihn von den hierarchischen Strukturen im fordistischen Industriekapitalismus. Innovationsprozesse würden im digitalen Kapitalismus zunehmend über Unternehmens- und Branchengrenzen hinweg realisiert. Die Teilnehmer diskutierten intensiv darüber, inwieweit diese Entwicklungen Potenzial fürein ganz neues, fortschrittliches Wirtschaftsmodell bieten, in dem Wirtschaftsdemokratie ausgeweitet wird, weil sie mit den neuen Netzwerkstrukturen korrespondiert und Innovationspotenziale freisetzt.

Mit Dr. Manuela Maschke vom Tarifarchiv der Hans-Böckler-Stiftung debattierten die Teilnehmer über die Auswirkungen der Digitalisierung auf die Arbeitswelt und den konkreten betrieblichen Alltag. Maschke verwies auf die ambivalenten Auswirkungen der Digitalisierung, die zum einen größere Autonomie etwa bei der Arbeitszeitgestaltung ermöglicht, aber auch zu einer höheren Arbeitsverdichtung und Kontrolle durch den Arbeitgeber führen könnten. Es gebe bereits zahlreiche Bespiele für Betriebsvereinbarungen und Tarifverträge, in dem Beschäftigte und ihre Gewerkschaften erste Antworten auf mit der Digitalisierung einhergehenden Entwicklungen gegeben hätten.

Christina Schildmann, die in der Hans-Böckler-Stiftung die Kommission „Zukunft der Arbeit“ betreut, ging in ihrem Beitrag auf die Frage ein, inwieweit die Digitalisierung die Geschlechterverhältnisse in der Gesellschaft, insbesondere in der Arbeitswelt verändert. Sie merkte an, dass die derzeitige vor allem technikzentrierte Debatte Fragen nach den sozialen und Geschlechterbeziehungen in der Produktion weitgehend ausblendet. Allerdings bestünde ein Potenzial für die Feminisierung der Arbeitswelt, weil die Strukturen des männlich geprägten fordistischen Industriekapitalismus durch die neuen digitalen Wertschöpfungsformen in Frage gestellt würden.

Die Frühjahrstagung lieferte so zahlreiche Ideen für vertiefende Diskussionen und neue Heftschwerpunkte für die spw, mit denen wir uns im Wahljahr 2017 in die Debatten in der SPD einmischen wollen.    [Ole Erdmann]

Vortrag Manuela Maschke

Vortrag Christina Schildmann