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Flexibler
Kapitalismus -
Moderner Sozialismus
Thesen zur spw-Jahrestagung 2001
Von
Uwe Kremer
Dr.
Uwe Kremer, Mitherausgeber der spw, lebt in Bochum. Die Thesen wurden
von Uwe Kremer als Zwischenergebnis eines Diskussionsprozesses mit verschiedenen
Personen aus dem spw-Zusammengang für die Jahrestagung formuliert.
Zur Kritik der politischen Ökonomie...
Für SozialistInnen ist die Kritik des Gegenwärtigen unabdingbare
Voraussetzung für die Entwicklung des Zukünftigen. Wir stellen
mit der Kritik der politischen Ökonomie des flexiblen Kapitalismus
die gesellschaftlichen Zusammenhänge der sich verändernden Betriebsweise
des Kapitalismus in der Gegenwart her und fragen nach den politischen
Ansätzen zu ihrer Veränderung. Kritik der politischen Ökonomie
heißt sich vergewissern, ob im flexiblen Kapitalismus zentrale Kategorien
der kapitalistischen Produktionsweise weiter gelten, sich verändern
oder außer Kraft sind. Wir fragen, ob der Kern der kapitalistischen
Produktion die Warenproduktion als Mittel für den Verwertungsprozess
des Geldes zur endlosen Anhäufung von Geldkapital als Selbstzweck
bestehen bleibt.
Wir untersuchen die Wirkweise des Konkurrenzprinzips als Beziehungsform
aller Akteure und Funktionen im Kapitalismus unter den neuen Bedingungen.
Wir fragen nach den Reproduktionsbedingungen von Mensch und Natur als
den Grundlagen des gesellschaftlichen Lebens und Überlebens. Wir
fragen nach den krisenhaften Widersprüchen des flexiblen Kapitalismus
durch überflüssig werdende lebendige Arbeit und Zerstörung
der menschlichen und äußeren Natur.
Wir konstatieren als prägende Erscheinungsformen des flexiblen Kapitalismus
den globalen Totalitarismus des Marktes, durch den alle Formen gesellschaftlichen
Lebens den Markterfordernissen unterworfen und die Reproduktionsbedürfnisse
privatisiert werden.
Wir sehen als Konsequenzen den Prozess der Internalisierung der Konkurrenz
in alle Lebensbereiche und Institutionen und die Zerstörungslogik
der betriebswirtschaftlichen Denkweise. Wir sehen die Nutzbarmachung der
Kräfte der Natur und der Natur des Menschen für die Kapitalverwertung.
Wir analysieren die Möglichkeiten der Informations- und Kommunikationstechniken
für die Veränderung des Arbeitsprozesses und seine Vernetzung.
Wir fragen nach der Wirkweise des Primats der share-holder-value im globalen
Kapitalismus und der Bedeutung der internationalen Fonds.
Zur Ökonomie des modernen Sozialismus
Wir begnügen uns nicht mit der Kritik, sondern suchen nach Alternativen
politischen Handelns, die der Wirkweise der kapitalistischen Produktion
Grenzen setzen und mit dem Ziel, sie zu überwinden. Es geht dabei
um die Umkehrung des Satzes, dass Mensch, Natur und Politik der Ökonomie
nachgeordnet sind.
Ein moderner Sozialismus erfordert, sich Vorstellungen über das Wirtschaften
im 21.Jahrhundert zu machen. Er muss sich mit den substanziellen Zielen
des Wirtschaftens ebenso beschäftigen wie mit den betriebs- und volkswirtschaftlichen
Parametern und Mechanismen. Seit bald zehn Jahren aber sind Debatten über
Plan- und Marktwirtschaft, staatliches Eigentum und betriebliche Selbstverwaltung,
Investitionslenkung und qualitatives Wachstum nahezu zum Erliegen gekommen.
Sozialistische Ökonomie - die "assoziierte Produktionsweise"
(Marx) - ist kein Thema mehr. Solange dies so ist, wird sich kein moderner
sozialistischer Diskurs im Verhältnis zu den Neoliberalismen und
"Dritten Wegen" entfalten können.
Wir gehen davon aus, dass wir uns wieder Fragen der öffentlichen
Steuerung von wirtschaftlichen Prozessen - im Kern: von Investitionen
- und damit auch der Verfügungsgewalt und der Eigentumsverhältnisse
in der Wirtschaft zuwenden müssen. Allerdings wird man das frühere
Zutrauen in Instrumente und Institutionen, administrative und juristische
Regelungen relativieren müssen. Ökonomie ist, viel stärker
als dies jedenfalls für die marxistische Argumentation gegolten hat,
auch und gerade unter dem Gesichtspunkt von Wirtschafts- und Unternehmenskulturen
zu sehen. Und von daher wird sich sozialistische Ökonomie in erster
Linie wirtschaftskulturell und erst in zweiter Linie institutionell und
instrumentell definieren lassen.
Schließlich gehen wir bei unseren Überlegungen davon aus, dass
es bei der "sozialistischen Ökonomie" nicht um eine konstruierte
Gesamtalternative zum Kapitalismus geht, sondern um "sozialistische
Elemente" bzw. "sozialistische Potenziale", in denen sich
das Prinzip der gemeinschaftlichen Regelung und des Vorranges gemeinschaftlicher
Interessen manifestiert. In welcher Art und Weise sich dies mit den Prinzipien
der kapitalistischen Ökonomie verträgt, verbindet oder konfligiert
oder zu derartig gravierenden Transformationen führt, wie wir sie
ja durchaus in einigen Fällen erlebt haben, wird für das 21.Jarhundert
neu zu überprüfen und in einem "ökonomischen Kulturkampf"
zu realisieren sein.
Der flexible Kapitalismus
Eine Neue Ökonomie im globalen Maßstab
Die "New Economy" ist mehr als eine kurzlebige Zeiterscheinung.
Sie kennzeichnet den Aufstieg der multimedialen, internet-gestützte
Wissens-, Informations- und Kommunikationsökonomie zum hegemonialen
Sektor des "Post-Fordismus" - und zwar in erster Linie, indem
sie die fordistischen Sektoren durchdringt. Grundlegend ist die wachsende
Bedeutung immaterieller Produktion (von Daten, Informationen, Konzepten,
Software, Bildern, Image, Erlebnissen usw.). Diese hegemoniale Struktur
ist global, insofern sie auf dem weltweiten, multimedial gestützten
Fluss von Informations- und Finanzströmen beruht. Das tatsächlich
Neue an der sog. Globalisierung, die als solche eine durchgehende Tendenz
moderner Wirtschaft darstellt, besteht in diesen Strömen und der
mit ihnen systematisch verbundenen weltweiten Netzwerke- und Fondsökonomie.
Netzwerks- und Fondsökonomie
Die "Fabrik" ist als Leitbild ökonomischer Organisation
durch das "Netzwerk" abgelöst worden, d.h. durch die immer
wieder aufs Neue stattfindende projektbezogene Kombination ökonomischer
Einheiten. Dies umfasst wechselseitige funktionale Beziehungen kleinerer
Unternehmen (und "Arbeitskraftunternehmer"), die sich auf horizontaler
Ebene abspielen. In der Netzwerksökonomie positionieren sich zugleich
Großunternehmen als "Spinnen im Netz" bzw. Zentralen strategischer
Planung im Verhältnis zu den dezentralen Einheiten, die sich ständig
auf der Suche nach Netzzugängen und Projekten befinden. Auch in den
durch "share-holding" bestimmten Finanzbeziehungen bilden sich
über die Anlageströme ständig changierende Netzwerke, deren
Knotenpunkt v.a. durch Investmentfonds und Kapitalanlagegesellschaften
gebildet werden.
Neues Verhältnis von Staat und Wirtschaft
Die Privatisierung staatlichen Unternehmensbesitzes und die Kapitalisierung
öffentlicher Infrastruktureinrichtungen stehen zweifellos unter neoliberalen
Vorzeichen. Allerdings sind hierbei auch viele ökonomisch-bürokratische
Komplexe des "organisierten Kapitalismus" einer Umgruppierung
unterzogen worden, was vielfach auch Spielräume für alternative
Vorstellungen eröffnet hat. Schließlich sind nicht nur sog.
Nicht-Regierungsorganisationen zunehmend zu ökonomischen Akteuren
geworden: Auch Unternehmen sind seit geraumer Zeit einer "politischeren"
Betrachtungsweise ausgesetzt, wenn sie sich nicht sogar selbst um eine
derartige Politisierung - v.a. unter globalen Aspekten - bemühen.
Statt eines reinen "Rückzuges des Staates" kommt es schließlich
zu neuen Vernetzungen zwischen Staat und Wirtschaft (Public-Private Partnerships,
Regulierungsräte, Abkommen u.a.).
Neue Eigentums- und Aneignungsrechte des Kapitalismus
Die Neue Ökonomie des globalen Kapitalismus zeichnet sich allerdings
auch durch die Tendenz aus, gemeinschaftliche Ressourcen wie Wissen, Bildung,
Umwelt, Saat- und Erbgut nicht nur zu privatisieren und handelbar zu machen,
sondern - über "property rights" - privatwirtschaftlich
zu monopolisieren und dadurch öffentlichem Zugang zu entziehen. Gleichzeitig
führt dieser Vorrang dazu, dass (in Analogie zur Grundrente) neue
Rentenformen eine wachsende Rolle als Einkommensquelle (z.B. als "Informationsrente")
spielen.
Fragmentierung der nationalen Volkswirtschaften
Die weltweiten Informations- und Finanzströme der Netzwerks-
und Fondsökonomie gehen - unter dem Regiment von WTO, IWF u.a. -
mit einer Fragmentierung der nationalen Volkswirtschaften einher. Das
Spektrum reicht von den "Global Cities" mit ihren weltmarktorientierten
Führungsfunktionen über die international vernetzten Zonen der
Exportproduktion bis hin zu den lokalen Ökonomien, die im übrigen
zunehmend durch informelle Strukturen geprägt sind. Hierbei beseht
die Tendenz, dass sich Exportwirtschaft und regionale Binnenmärkten
(mit ihren Nahversorgungsfunktionen) entkoppeln, da die regulative Verknüpfung
durch den nationalen Wohlfahrtsstaat brüchig geworden ist. Gleichzeitig
wachsen Schattenwirtschaft, informelle Sektoren und die "schwarzen
Löcher" der globalen Ökonomie, die häufig mit wirtschaftskriminellen
Machenschaften einhergehen.
Moderne Klassenlandschaften
Die Klassenstrukturen und die damit verbundenen "Klassenlandschaften"
zeichnen sich immer weniger durch kontingente Strukturen und ebenfalls
immer mehr durch Netzwerke und "Projekte" aus. D.h. größere
soziale Einheiten bilden sich aus sozialen Fragmenten, die anhand von
(prioritären) Vorhaben und der Kommunikation darüber zusammenfinden.
Hierbei kann keine Rede von der Aufhebung sozialer Gegensätze im
modernen Kapitalismus sein - aber diese Gegensätze entfalten sich
auf der Basis multipler Interessenlagen und mögen sich als Gegensätze
von "klassischen" Kapitalisten und Lohnarbeitern, von Cyberlords
und Netslaves, von Yuppies und Dienstboten, von Vermögensbesitzern
und Vermögenslosen, von Steuerzahlern und Schattenarbeitern usw.
usf. darstellen - und dies alles in Ergänzung zu den sowieso in Rechnung
zu stellenden Differenzierungen nach Geschlecht, Volksgruppe, Alter usw.
Entrepreneurship: Autonomie und Abhängigkeit
Quer zu diesen sozialen Differenzierungsprozessen breitet sich das
"unternehmerische Element" in den Klassenstrukturen aus - die
wohl entscheidendste Veränderung an der Schnittstelle von Klassenstruktur
und Wirtschaftskultur. Dieser Vorgang umfasst sowohl das Wachstum der
Selbständigenzahlen wie auch die zunehmende Bedeutung unternehmerischer
Anforderungen an lohnabhängig Beschäftigte. Im Mittelpunkt steht
der "Arbeitskraftunternehmer" - der über sein "Humankapital"
verfügt und es optimal zu verwerten gedenkt. Hinzu kommt die Bedeutung,
die der Kapitalanlage bzw. Fondsökonomie mittlerweile auch in weiteren
Bevölkerungskreisen zukommt. Die Ausbreitung des "unternehmerischen
Elementes" umfasst sowohl alte und neue sozialer Abhängigkeiten
wie auch das Bedürfnis nach persönlicher und sozialer Autonomie.
Biographische Transformationen
Die sozialen und persönlichen Konsequenzen der zuvor skizzierten
Vorgänge sind erheblich, zumal sich ständisch und geschlechtsspezifisch
tradierte Erwerbsbiographien schon seit langer Zeit in Auflösung
befinden. Gleichzeitig werden die Übergänge zwischen Arbeit
und Freizeit immer fließender (v.a. je mehr Kommunikation und Bildung
eine Rolle spielen). Die verschiedenen Komponenten fließen darin
zusammen, dass die Menschen sich immer mehr als Manager ihrer eigenen
Biographie verhalten müssen. Hierbei wird der "Kampf um das
ganze Leben" - sicherlich differenziert nach sozialem Status und
Geschlecht - auf die Tagesordnung gesetzt. Die psycho-sozialen (und d.h.
auch die gesundheitlichen) Dimensionen dieses Kampfes werden zu einem
der zentralen Konfliktfelder der modernen Ökonomie und damit auch
des "ökonomischen Kulturkampfes" im 21.Jahrhundert aufsteigen.
Neue Ökonomie und Moderner Sozialismus
Ein Netzwerke-Sozialismus
Jede historische Zeit bringt ihre Sozialismen hervor und dies wird auch
für das 21.Jahrhundert gelten. Im Mittelpunkt stehen die je spezifischen
Verknüpfungen von Basisinnovationen und ökonomisch-gesellschaftlichen
Dispositionen (ähnlich den "Kondratieff-Zyklen"). So hat
die informationstechnisch-multimedial gestützte "New Economy"
die "fordistische" Ära der Großindustrie abgelöst
und im übrigen auch schon selbst ihren Höhepunkt fast erreicht.
Damit sind unumkehrbare Strukturveränderungen ins Werk gesetzt worden
sind, die nicht auf ein neoliberales Manöver reduziert werden können,
sondern der Entwicklung der modernen Produktivkräfte entsprechen.
Dies gilt in allererster Linie für die Netzwerksökonomie, aber
auch damit verbundene Aspekte der Fondsökonomie und des Entrepreneurships.
Der moderne Sozialismus wird seinen Diskurs nur als Netzwerke-Sozialismus
entfalten können.
Ein Sozialismus des ökologisch-solidarischen Umbaus
Umso mehr gilt aber, dass die Ausprägung der neuen Ära nicht
alternativlos war. Die mit dem Konzept des "ökologisch-solidarischen
Umbaus" verbundene Tendenz wies in den 80er Jahren ebenfalls einen
- viel stärker mit umwelttechnologischen Wachstumspotenzialen und
gemeinschaftsorientierten Dienstleistungen verknüpften - Weg in den
"Postfordismus". Diese Tendenz konnte sich nicht durchsetzen.
Dies könnte aber mit dem beginnenden neuen Zyklus technologisch-ökonomischer
Entwicklung umgekehrt werden. Für einen modernen Sozialismus entscheidend
und aussichtsreich sind die sich abzeichnende Renaissance der weltweiten
ökologischen Problematik (diesmal verknüpft mit reifen Technologielinien)
und der Aufstieg der Gesundheit (inkl. Humantechnologie und Life Science)
zum beherrschenden Feld ökonomisch-sozialer Entwicklung.
Ökonomische Strukturelemente des modernen Sozialismus
Ausgehend von heutigen Tendenzen besteht die Möglichkeit, sich den
Funktionsprinzipien und Strukturelementen einer neuen Wirtschaft zuzuwenden,
darunter:
- Umbau der Fondsökonomie
Wirtschaftskulturelle Einbettung und gesellschaftliche Gestaltung der
Fondsökonomie, also von Investmentfonds (insbes. Pensionsfonds) und
Kapitalbeteiligungen.
- Wirtschaftliche Lenkung und Programmierung
Konsequente regionale und überregionale Clusterpolitik mit selbstorganisierten
Wirtschaftsinitiativen. Ausrichtung an prioritären Kompetenz- und
Bedarfsfelder. Öffnung der Industrie-Infrastruktur-Komplexe (' Regulierungsräte).
- Wirtschaftsdemokratie
Weiterentwicklung der Betriebs- und Unternehmensverfassung, Reorganisation
der Industrie- und Handelskammern als Selbstverwaltungsorganen der Wirtschaft,
Weiterentwicklung, Neubildung und Öffnung der Regulierungsräte.
- Rechnungsführung und Bilanzierung
Überprüfung der Kriterien und Systematik der betriebs- und volkswirtschaftlichen
Rechnungsführung und Bilanzierung, die keineswegs "objektiv",
sondern hochgradig wirtschaftskulturell bestimmt sind. Systematische Integration
ökologischer und sozialer Kriterien.
- Eigentum und Verfügungsrechte
Gewährleistung des allgemeinen Zugangs zu gemeinschaftlichen Ressourcen
(Informationen, Wissen, Umwelt, Saat- und Erbgut u.a.) bei Entwicklung
alternativer Vergütungsformen für Entwicklungsarbeiten.
- Konsumenten- und Nutzerdemokratie
Ausbau aller Formen der Konsumenten- und v.a. Nutzerbeteiligung unter
systematischer Einbeziehung des Internets, bei Unternehmen, Infrastruktureinrichtungen,
Sozialversicherungen.
- neue Gemeinwirtschaft - Dienste und Gewerke
Entwicklung eines genossenschaftlich geprägten Unternehmenssektors
insbes. bei personenbezogenen Dienstleistungen und im Handwerk (unter
systematischer Einbeziehung des öffentlichen Auftrags- und Vergabewesens).
- öffentliches Eigentum an Unternehmen
Neudefinition der Rolle öffentlicher Unternehmensbeteiligungen (Überprüfung
am Beispiel des VW-Modells) und Unternehmen (unter Einschluss der verschiedenen
Rechtsformen und ggfs. Schaffung neuer).
- biographische Selbstbestimmung
Systematische Verbesserung des Selbstmanagements von Männern und
Frauen - hier in ihrer Eigenschaft als ökonomische Akteure. Insbesondere
durch eine allgemeine Arbeitsversicherung.
Eine sozialistische Wirtschaftskultur
In diesen und weiteren Fällen geht es um die Entwicklung sozialistischer
Potenziale und Elemente und um deren Verdichtung. Es geht um ein Geflecht
von gesellschaftlich kontrollierten Fonds, öffentlichen Unternehmensbeteiligungen,
wirtschaftsdemokratischen Selbstverwaltungsmechanismen, Regulierungsräten,
Regelungen der Rechnungsführung und Bilanzierung usw. Die Verdichtung
dieser Elemente schafft das Terrain für eine nachhaltige Veränderung
in den Kriterien und Motivationen ökonomischer Betätigung, insbesondere
von Investitionsentscheidungen und unternehmerischem Handeln.
Doch diese Veränderung ist wiederum selbst Bedingung dafür,
dass diese Strukturelemente im Sinne eines ökologisch-solidarischen
Umbaus zum Tragen kommen. Sie hat eine eigenständige Bedeutung und
wird in den Mittelpunkt eines "ökonomisch-sozialen Kulturkampfes"
zu stellen sein. Die Linke muss lernen, diesen Kampf offensiv zu führen
und eine defensive Einstellung des "Eindämmens" überwinden.
Hierzu gehört auch, dass sie sich in diesem Kampf nicht darauf beschränkt,
die Werte der Gleichheit und Solidarität zu verteidigen, sondern
auch die Aspekte der Produktivität, der Leistung und der Effizienz
in den eigenen Kanon einzugliedern. Dieser Kampf beginnt bei der Reflexion
der eigenen Rolle als ökonomisches Subjekt und führt zu den
Kriterien und Motivationen, die den volkswirtschaftlich relevanten Investitionsentscheidungen
zu Grunde liegen.
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