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Kein
Frieden ohne die Mehrheit der Bevölkerung
Von
Almut Wieland-Karimi, Friedrich-Ebert-Stiftung
Almut Wieland-Karimi
ist Referentin bei der Friedrich-Ebert-Stiftung, Berlin
Die zivilen Oppositionskräfte - sträflich vernachlässigt
In der momentanen politischen Diskussion über Afghanistan wird
ein zentraler Aspekt sträflich vernachlässigt: Wie stellt sich
die Mehrheit der etwa 20 Millionen Afghaninnen und Afghanen ihre politische
Zukunft vor? Sie sind weder Anhänger der Taliban noch der Nordallianz.
Ihr Leben wird vielmehr von lokalen und regionalen traditionellen Organisationseinheiten
bestimmt, die ihre Legitimität über lokale Ratsversammlungen
(shuras oder jirgas) beziehen. In diesen Räten sind
religiöse, ethnische bzw. Stammes-, Dorf- oder Talführer vertreten,
die zwar einerseits von den übergeordneten politischen und militärischen
Rahmenbedingungen abhängig sind, sich aber dennoch ein großes
Stück Autonomie und Unabhängigkeit bewahren. Auf lokaler Ebene
haben sich einfache Formen einer funktionierenden Verwaltung herausgebildet.
Die Zugehörigkeit zu Kriegsfraktionen oder auch alternativen politischen
Gruppierungen erfolgt zumeist über diese Räte, die - um es in
unsere Sprache zu übersetzen - als Wahlmänner oder Multiplikatoren
fungieren. Afghanistan ist also längst nicht so desorganisiert, wie
es von außen scheint.
Der Großteil der Bevölkerung ist in erster Linie kriegsmüde
und vertraut nur wenig auf die militärisch-politischen Kräfte,
die sich in den letzten 20 Jahren disqualifiziert haben - angefangen vom
kommunistischen DVPA-Regime, über die rivalisierenden Mudjahedin
und der aus ihnen hervorgegangenen Nordallianz bis zu den Taliban. Die
Mehrheit der Bevölkerung wünscht sich nach über zwanzig
Jahren Krieg nichts sehnlicher als Frieden, vor allem weil die humanitäre
Not noch nie so fürchterliche Ausmaße gehabt hat wie jetzt:
Bis zu sieben Millionen Menschen, also etwa ein Drittel der Bevölkerung,
befindet sich auf der Flucht und der Winter ist bereits in den Höhenlagen
eingebrochen. Auslöser für diese Katastrophe sind der Bürgerkrieg
und die Unfähigkeit der Kriegsfraktionen, die Bevölkerung zu
versorgen. Hinzu kommen eine über Jahre andauernde Dürre und
seit kurzem die Angst der in den Städten lebenden Bevölkerung
vor den aktuellen Militäraktionen.
Für eine mittelfristige Perspektive ist es wichtig, dass die
humanitäre Hilfe nicht indirekt eine der Bürgerkriegsfraktionen
unterstützt. Die traditionellen zivilen Kräfte und deren Führer
können durch materielle Hilfen (Nahrungsmittel, Wiederaufbauhilfe)
und politische Einbeziehung in einen Konsultationsmechanismus gestärkt
werden. Denn: Eine dauerhafte politische Lösung - und somit mittelfristige
Verbesserung der Lebensbedingungen - wird es nur geben können, wenn
die Mehrheit der Afghanen diese mitträgt.
Die demokratische Bewegung - ein zartes Pflänzchen, das es zu pflegen
gilt
Neben den traditionellen politischen Strukturen gibt es eine weitere
Kraft, die einen politischen Lösungsprozess stärken könnte:
die demokratische Opposition. Ihre Vertreter kann man identifizieren,
ansprechen und befragen. Sie sind keineswegs so anonym, dass man sie nicht
- oder noch nicht - am politischen Prozess beteiligen könnte. Das
wird aber bisher nicht oder kaum versucht. Kaum ein westlicher Politiker
hat bislang Kontakt mit der demokratischen Opposition in Afghanistan selbst
aufgenommen. Das muss aber umgehend erfolgen.
Die Geschichte der demokratischen Bewegung geht zurück auf den Anfang
des letzten Jahrhunderts. Zeitgleich zur jungtürkischen Bewegung
mit Mustafa Kemal Pascha (Atatürk) an der Spitze, entwickelte sich
in Afghanistan eine sogenannte jungafghanische oder Konstitutionalismus-Bewegung
(mashrutiyyat). Sie verzeichnete ihren ersten Erfolg mit der Einsetzung
einer modernen Verfassung im Jahr 1923. Einer von den Vordenkern war Mahmud
Tarzi, der gemeinsam mit König Amanullah aktiv war. Im Gegensatz
zur Türkei jedoch stießen die Errungenschaften auf starken
konservativen Widerstand, so dass die Demokraten nach 1929 zunächst
in den Untergrund verdrängt wurden. Viele gut ausgebildete und intellektuelle
Kreise, ein Großteil der Meinungsmacher, jedoch engagierten sich
über die Jahrzehnte für demokratische Werte. Je nach politischer
Situation wurden Führer der national-demokratischen Bewegung von
Seiten des Staates verfolgt, oder aber, sie erhielten wie Mitte der 60er
Jahre neuen Auftrieb und kandidierten bei den Wahlen. Ein Teil der Erfolgsgeschichte:
Mit der Verfassung von 1964 wurden die afghanischen Frauen gleichberechtigt.
In dieser Zeit entstanden einzelne demokratische Parteien, die
sich vor allem um Persönlichkeiten und Zeitschriften bildeten.
Nach dem Putsch 1973, insbesondere aber 1979 nach dem sowjetischen Einmarsch
in Afghanistan und dem Beginn der Widerstandsbewegung sind die demokratisch
orientierten Gruppierungen zu großen Teilen zwischen die Fronten
geraten: Zusammenschlüsse verschiedener Gruppen wie die NEFA (Nationale
Einheitsfront Afghanistans) organisierten ihren eigenen Widerstand, in
der sich linke und gemäßigte demokratische Kräfte trafen.
Diese wurden aber aufgrund ihrer politischen Motivation von den islamisch
oder islamistisch geprägten Mudjahedin an den Rand gedrängt.
Dem demokratischen Widerstand fehlte vor allem die Unterstützung
aus dem Westen: Geld, Logistik und Waffen, die die anderen Parteien erhielten.
Besonders dem pakistanischen Geheimdienst waren sie ein Dorn im Auge und
bekannte Anführer, wie Qayyum Rahbar, Massim Ludin und Sayyid Majrouh
und viele andere wurden ermordet, wodurch die Bewegung stark geschwächt
wurde.
Dennoch existieren ihre Zellen in Afghanistan und im Exil weiter. Die
folgenden Gruppierungen bzw. Parteien sollen exemplarisch vorgestellt
werden: In der Afghan Mellat ("afghanische Nation"),
die sich als sozialdemokratisch bezeichnet, sind verschiedene Flügel
in einem liberal-intellektuellen bis paschtunisch-chauvinistischen Spektrum
aktiv. Von dieser hat sich die Wulusi Mellat ("volksnational")
abgespalten. Nennenswerte Gruppierungen sind weiterhin die Setam-e
Melli, eine Abspaltung von der ehemaligen kommunistischen Partei DVPA,
die Shulah-ye Jawid ("Ewige Flamme"), eine von städtischen
Intellektuellen dominierte Gruppierung, und die Paschtunische Sozialdemokratische
Partei. Nach jahrelangen Bemühungen in einem politischen Prozess
haben diese Gruppen es geschafft, sich in einem Dachverband zusammenzuschließen:
Die "Allianz für Demokratie" wurde im Juni 2001 in Aachen
gegründet und ihr gehören - bis jetzt - acht Gruppierungen an.
Diese haben den überwiegenden Teil ihrer Anhänger in Afghanistan.
Ihre Organisationszentralen befinden sich jedoch aufgrund der politisch
gefährlichen Lage und mangelnden Sicherheit für die Aktivisten
im westlichen Exil. Aus nahe liegenden Gründen liegen keine empirisch
gesicherten Zahlen zu ihrer quantitativen Stärke vor, jedoch ist
von jeweils mehreren tausend aktiven Mitgliedern auszugehen.
Vielversprechend könnte in der aktuellen Situation sein, dass sich
die demokratischen Kräfte mit der oben beschriebenen politisch ungebundenen
Bevölkerungsmehrheit zu einer zivilen Opposition, also zu einer weiteren
Kraft in Afghanistan, zusammenschließen. Die demokratischen Gruppen
verfügen über viele Vorteile: Sie haben sich - im Gegensatz
zu den anderen afghanischen Akteuren - in den Augen der Bevölkerung
nicht disqualifiziert. Bei ihnen sind Frauen aktiv. Sie verfügen
über ein für afghanische Verhältnisse außerordentliches
Potenzial an Fachkräften (Ärzte, Ingenieure, Lehrer etc.) und
haben eine Brücke ins Ausland gebaut. Weiterhin spielen ethnische
und religiöse Identitäten nur eine untergeordnete Rolle. Es
gibt bereits erste Beispiele aus südlichen und südwestlichen
Provinzen, in der sich Ratsversammlungen konstituieren, in denen zum einen
die traditionellen Führer vertreten sind, zum anderen aber demokratische
Vertreter und Intellektuelle mit einbezogen sind. Die größte
Schwierigkeit, vor der diese oppositionellen Initiativen stehen, sind
der drohende Winter und der Mangel an Versorgung, aber auch die fehlende
internationale Unterstützung, welche die Kriegsparteien und die Königsanhänger
dagegen erhalten.
Aus den Fehlern der Vergangenheit lernen!
Welche realistischen Ansätze kann es für eine politische
Lösung des Konfliktes geben? Es besteht Konsens darüber, dass
nur eine solche eine dauerhafte Stabilisierung Afghanistans und der angrenzenden
Region erreichen kann. Deutlich geworden ist in den letzten Wochen, dass
die USA als Anführer der Anti-Terror-Allianz zwar eine dezidierte
militärische, jedoch keine ausreichend eindeutige politische Strategie
für Afghanistan verfolgen. Umso wichtiger ist, dass in der derzeitigen
Diskussions-, Konsultations- und Verhandlungsphase die unterschiedlichen
Interessen der afghanischen Bevölkerung, der afghanischen politischen
und militärischen Akteure, der Anrainerstaaten und internationalen
Spieler einbezogen werden, damit diese sich aufeinander zu bewegen können.
Bereits jetzt steht fest: Für die Chancen auf einen wirklichen Frieden
wird es entscheidend sein, ob Afghanistan wieder einmal nur kurzfristig
im Rampenlicht steht oder aber mittel- und langfristige Strategien greifen,
die nachhaltig von einer nationalen wie internationalen Pro-Frieden-Allianz
verfolgt werden.
Zu den Fehlern zählt, dass der Westen in den 80er Jahren ausschließlich
religiös motivierte, aber nicht demokratisch orientierte Widerstandsgruppen
unterstützt hat. Nach 1992, nach dem Ende des Ost-West-Konflikts
und Zusammenbruch des pro-sowjetischen Statthalterregimes, war Afghanistan
sich selbst bzw. den bewaffneten Gruppen überlassen worden. Die ehemaligen
Mudjahedin-Gruppierungen, von ihren jeweiligen Unterstützern stark
bewaffnet, verwickelten sich in einen blutigen regionalisierten Bürgerkrieg,
der zehntausende Menschen das Leben kostete und die Stadt Kabul in Schutt
und Asche legte. Dieser Krieg um die Macht in Kabul, verbunden mit von
der Bevölkerung nicht vergessenen schweren Menschenrechtsverletzungen,
bildete die Voraussetzung für den Erfolg der radikal islamistischen
Taliban. Zunächst konnten die Truppen um Mullah Omar ab 1995 nach
rasanten Geländegewinnen eine gewisse Sicherheit und Stabilität
herstellen - jedoch sehr bald stellte sich heraus, dass die als Militärkraft
angetretenen Taliban über keinerlei politische Ambitionen bzw. know-how
verfügten: Fehlende Infrastruktur- und Wiederaufbaumaßnahmen
im Bündel mit massiven Menschenrechtsverletzungen haben die Taliban
zu einem Schreckensregime werden lassen. Usama Bin Ladin und seine Anhänger
genießen Gastrecht, und Afghanistan, ohne über funktionierende
Institutionen eines Staates zu verfügen, geriet auf die Liste der
"Schurkenstaaten".
Die einzigen Instrumente, welche die Staatengemeinschaft wählte,
um diesem Pulverfass zu begegnen, waren die Isolation der Taliban verbunden
mit UN-Sanktionen. Bereits die mutwillige Zerstörung der Buddha-Statuen
im zentralafghanischen Bamiyan im Frühjahr 2001 hat deutlich gezeigt,
dass der international eingeschlagene Weg in eine Sackgasse führen
musste, da weder die UN noch islamische Staaten auf die Taliban-Führung
Einfluss zu nehmen vermochten. Letztendlich macht die Analyse der politischen
Entwicklung Afghanistans in der letzten Dekade sehr deutlich, dass nur
ein mittel- und langfristiges Engagement der Staatengemeinschaft zu einer
Befriedung der Region und Eingrenzung international bedrohlicher Potentiale
führen können. Zu diesen zählen nicht nur das zur Zeit
besonders präsente terroristische Netzwerk Al-Qaida, sondern auch
die atomare Bewaffnung Indiens und Pakistans, Drogenproduktion, Waffenhandel,
die geringe sozioökonomische Entwicklung und Migrationströme.
Was kann die internationale Gemeinschaft tun?
Zunächst einmal können es nur massive international koordinierte
humanitäre Not- und Soforthilfemaßnahmen schaffen, der notleidenden
und zu einem großen Teil auf der Flucht befindlichen Bevölkerung
zum Überleben zu verhelfen. Diese Anstrengungen laufen bereits
auf Hochtouren. Wichtig ist, dass parallel zu den humanitären und
den militärischen Aktionen bereits die politischen Lösungsansätze
eruiert und umfassende Wiederaufbaumaßnahmen eingeleitet werden.
Obwohl eigentlich ein Konsens darüber besteht, dass grundsätzlich
den Afghanen keine Lösung von außen aufoktroyiert werden sollte,
da eine solche kaum dauerhaft Bestand haben könnte, ist ein eindeutiger
Widerspruch zur Realpolitik festzustellen: Die Bürgerkriegsfraktionen
und der König, die als Interessensvertretungen für eine politische
Lösung diskutiert werden, erhalten massive Förderung aus dem
Ausland. Eine politische Konfliktlösung wird aber nur dann von Erfolg
gekrönt sein können, wenn alle afghanischen Interessen - auch
die zivile Opposition und die demokratische Bewegung - gleichberechtigt,
das heißt ohne Bevorzugung beteiligt sind.
Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen wird festlegen, mit welchem
Mandat eine UN-Mission für Afghanistan ausgestattet sein wird. Dass
es ein solches geben wird, steht zurzeit außer Zweifel. Aufgrund
der divergierenden nationalen und regionalen Interessen und der fast kompletten
Zerstörung der ohnehin nur rudimentären Infrastruktur, kann
nur ein umfassendes und mittel- bis langfristiges Mandat die Voraussetzungen
für einen nachhaltigen Erfolg schaffen.
Zunächst einmal werden die UN vor der Schwierigkeit der Entwaffnung
der Bürgerkriegsfraktionen und der Ausfüllung des militärischen
Machtvakuums stehen, das nur kurzfristig von der Anti-Terror-Allianz ausgefüllt
werden kann. In diesem Zusammenhang könnte die Organisation der
Islamischen Staaten (insbesondere mit muslimischen Soldaten unter
einem UN-Mandat) eine wichtige Rolle spielen, da die amerikanische und
britische Militärpräsenz sowohl bei den Kriegsfraktionen als
auch bei der Bevölkerung auf religiös und politisch motivierte
Ablehnung stoßen wird. Eine andere Option wäre, die einfachen
Kämpfer der Bürgerkriegsfraktionen - nicht ihre militärischen
Anführer - als Soldaten in eine neu aufzubauende zentrale militärische
Kraft einzugliedern, sie auszubilden und für eine Übergangszeit
unter ein UN-Kommando zu stellen. Problematisch ist die Entwaffnung vor
allem vor dem Hintergrund, dass Waffen im ganzen Land und in der Region
weit verbreitet, Kommandanten grundsätzlich käuflich sind und
eine ganze Generation außer dem Umgang mit Waffen nichts gelernt
hat.
Bei der beabsichtigen Beseitigung des Taliban-Regimes lässt sich
diese Käuflichkeit zwar zunächst positiv anwenden - im zweiten
Schritt wird sich aber die Frage stellen, wie die warlords der
beiden Bürgerkriegsfraktionen in die Gesellschaft eingegliedert werden
können. Erst nach einer eindeutigen Beendigung der militärischen
Phase und einer Willenserklärung der internationalen Gemeinschaft,
sich in Afghanistan für die Konsolidierung des Friedens einsetzen
zu wollen, ist denkbar, dass ein Rehabilitationsprogramm für die
ehemaligen Kämpfer umgesetzt werden kann. Moderaten Kräften
auf Seiten der Nordallianz und der Taliban sollte zudem zugestanden werden,
eine Rolle in einer neuen Regierung zu übernehmen, denn nur dies
wird garantieren können, dass sie sich als Mitwirkende an einem Friedensprozess
fühlen können. Zu prüfen wird auch sein, ob führende
warlords beider Seiten wegen ihrer Verbrechen und/oder Menschenrechtsverletzungen
vor ein internationales Gericht gestellt werden sollen.
Ein zentraler weiterer Faktor für eine erfolgreiche politische Lösung
werden die Anrainerstaaten sein: Anknüpfend an die von der United
Nations' Special Mission for Afghanistan (UNSMA) geführten "6
+2 Verhandlungen" (Afghanistans Anrainer plus USA und Russland) sollten
sie in einen umfassenden Konsultationsprozess einbezogen werden, in dem
zum einen Interessen verhandelt und Druck ausgeübt, aber auch Anreize
für die Zustimmung zu Kompromisslösungen gegeben werden können.
Ferner sollten die UN vorübergehend die Verwaltung und die Funktionen
der Regierung - ähnlich wie in Ost-Timor - übernehmen, wobei
bestehende administrative Strukturen zu fördern sind. Erst wenn minimale
staatliche Strukturen funktionieren und parallel dazu in einem politischen
Prozess mit breiter afghanischer Beteiligung grundlegende Vereinbarungen
für einen zukünftigen Staat getroffen werden, kann eine loya
jirga einen Konsens über die zukünftige Ausrichtung dieses
Staates feierlich bestätigen und damit verbindlich machen. Dem Ex-König
Zaher Schah wird bei diesem Prozess die Rolle zufallen, die loya jirga
einzuberufen und ihr Schirmherr zu sein. Mit Hilfe der UN-Verwaltung sollte
eine Verfassung für Afghanistan ausgearbeitet werden, wobei die demokratisch
ausgerichtete Konstitution von 1964 eine wichtige Grundlage bilden könnte,
und Wahlen vorbereitet werden. Der Verwaltung wird des weiteren gemeinsam
mit den afghanischen politischen Akteuren die Aufgabe zufallen, einen
Wiederaufbauplan zu erstellen oder in Auftrag zu geben und diesen in einem
weiteren Schritt international zu koordinieren. Ferner sind - um nur die
wichtigsten Aufgaben auf dem Weg zu nennen - Rahmenbedingungen für
die Wiederbelebung der Volkswirtschaft und Beendigung der Kriegswirtschaft
zu schaffen.
Wie könnte ein spezifisch deutscher Beitrag aussehen?
Deutschland genießt in Afghanistan ein hohes Ansehen und
Vertrauen bei allen Bevölkerungsteilen. Es hat keine negativ
belastende koloniale Vergangenheit in der Region. Im Gegenteil: Es gab
bis 1979 eine sehr freundschaftliche und als gleichberechtigt empfundene
deutsch-afghanische Partnerschaft, die sich in einem starken entwicklungspolitischen
Engagement von deutscher Seite in den 60er und 70er Jahren manifestierte.
Mit Paktia im Süden Kabuls wurde anhand eines Masterplans eine ganze
Provinz umfassend entwickelt - ein Vorzeigeprojekt für deutsches
know-how und die deutsch-afghanische Zusammenarbeit. Universitätspartnerschaften
förderten einen regen wissenschaftlichen Austausch. Bis heute unterstützen
deutsche Nichtregierungsorganisationen kleine Entwicklungsprojekte in
Afghanistan. Vor diesem Hintergrund könnte Deutschland im Rahmen
seiner internationalen Einbindung eine prominente Rolle als Vermittler
zwischen den rivalisierenden Interessen übernehmen.
Mit der Zielsetzung, in die Konfliktlösung demokratische Werte verstärkt
einzubringen und die Basis der afghanischen Interessen zu verbreitern,
sollten die demokratischen Gruppierungen besondere Unterstützung
erhalten. Ein spezifisch deutscher Beitrag sollte sein, die demokratische
Bewegung in Afghanistan und im Exil im internationalen Diskussions- und
Konsultationsprozess zu fördern. Dazu gehört ihre Einbeziehung
in internationale Verhandlungen, die auf afghanischer Seite bis jetzt
vom König und der Nordallianz - infolge internationaler Förderung
- dominiert werden. Wichtig ist auch, der afghanischen Bevölkerung
die Botschaft zu vermitteln, dass bei einer politischen Lösung nicht
nur auf den König und die Bürgerkriegsfraktionen gesetzt wird,
sondern dass auch sie die Möglichkeit hat, sich an der politischen
Konfliktbewältigung aktiv zu beteiligen. Eine gezielte Unterstützung
der lokalen und regionalen politisch-administrativen Strukturen bzw. ziviler
Kräfte in Form der shuras und ein community building-Programm
wären hierfür wichtige Ansatzpunkte, die im Rahmen der bewährten
deutschen Institutionen und Instrumente der Entwicklungszusammenarbeit
umgesetzt werden können.
Vorstellbar ist weiterhin, ein Rückkehrprogramm für die über
80000 in Deutschland lebenden Afghaninnen und Afghanen anzubieten. Unter
ihnen befinden sich überdurchschnittlich viele gut ausgebildete Kräfte,
die in Afghanistan eine wichtige Rolle beim Wiederaufbau - gemeinsam mit
den deutschen Institutionen - leisten könnten. In diesem Bereich
kann zum einen auf die Erfahrungen mit dem Programm für Bosnier,
aber auch das Fachkräfteprogramm Afghanistan, das die Gesellschaft
für Technische Zusammenarbeit Anfang der 90er Jahre anbot und letztendlich
an der Fortsetzung des Krieges nach 1992 scheiterte, zurückgegriffen
werden. Entscheidend für den Erfolg eines solchen Programms wird
sein, ob permanenten oder zeitweiligen Rückkehrern eine Garantie
gegeben werden kann, dass die Umsetzung der Friedenslösung nachhaltig
international unterstützt wird.
Nationalgefühl - Basis für die Konfliktlösung
Trotz des über 20-jährigen Krieges in Afghanistan, der schmerzhaften
Verluste und Erfahrungen und der Zersplitterung der Gesellschaft, gibt
es - im Gegensatz zu anderen Ländern in Bürgerkriegssituationen
- eine gemeinsame Basis für eine Konfliktlösung: ein übergreifendes
afghanisches Nationalgefühl. Die Zugehörigkeit zur afghanischen
Nation verbindet ethnische Gruppen, Stämme sowie religiöse Gemeinschaften
und politische Gruppierungen. Die Anrainer hingegen versuchen diese Loyalitäten
für ihre jeweiligen eigenen Interessen in Afghanistan zu nutzen -
in Afghanistan selbst gibt es keine Autonomiebestrebungen entlang ethnischer
oder religiöser Linien. Die immer wieder geäußerte zentrale
Forderung, dass die Afghanen sich untereinander einigen müssen, hat
vor dieser Perspektive - mindestens grundsätzlich - Aussicht auf
Erfolg. Allerdings bedarf dies internationaler Unterstützung, da
bis jetzt ständig regionale und internationale Akteure in den Konflikt
eingegriffen haben.
Die Basis für den zentralen afghanischen Konfliktlösungsbeitrag
ist zunächst ein innerafghanischer Grundkonsens darüber, dass
eine politische Lösung angestrebt wird. Die Bemühungen um eine
nationale Versöhnung und einen politischen Weg können nur in
einem Prozess Erfolg haben: Mit der Organisation kleiner shuras
und jirgas innerhalb und außerhalb Afghanistans von der lokalen
Einheit bis zu einer regionalen Ebene können Delegierte bestimmt
werden, die als Vertreter von allen Bevölkerungsteilen akzeptiert
werden. Am Ende dieser ersten Phase könnte die Abhaltung einer loya
jirga, an der diese so gewählten Vertreter teilnehmen, die erreichten
Vereinbarungen öffentlich machen und damit unterstreichen. Wichtig
ist, auf diesem Weg alle Bevölkerungsteile, vor allem aber auch die
afghanischen Frauen, zu beteiligen. Auch in frühere beratende große
Ratsversammlungen wurden Afghaninnen - wenn auch nicht in adäquater
prozentualer Beteiligung - einbezogen.
In den lokalen und regionalen Ratsversammlungen ist auch die Zusammenarbeit
mit den UN zu thematisieren, denn nur mit der konstruktiven Unterstützung
der Bevölkerung für deren Konfliktvermittlung und Wiederaufbauprogramme
können positive Ergebnisse erzielt werden. Das Selbstverständnis
der politischen Kräfte bedingt jedoch, dass die militärischen
Gruppen, also die Nordallianz und die Taliban, bereit sein müssen,
für eine politische Lösung ihre Waffen niederzulegen. Insbesondere
die Angehörigen der Bildungsschicht, die Fachkräfte im Land
und im Exil sollten sich aktiv in den Wiederaufbau einbringen können,
wobei zurückkehrende Afghanen auch Brücken zwischen Gesellschaften
bauen können, die für die internationale Zusammenarbeit ein
wichtiges Element darstellen.
Bekannte Interessen auf dem Weg zu einer Lösung
Zunächst einmal sind die bereits oben angesprochenen Anrainerstaaten
zu nennen, die mit unterschiedlicher Intensität ihre Interessen in
Afghanistan durchzusetzen versuchen. Allein die Motive gleichen sich:
Niemand der Anrainer will eine ihm feindlich gesinnte Regierung in Afghanistan
haben - eine Fortsetzung der kriegerischen Auseinandersetzung ziehen sie
dieser Option vor. Die Anrainer haben ihre Klientel in Afghanistan aufgrund
ethnischer oder religiöser Verbindungen: Für Pakistan spielen
die Paschtunen, die Mehrheitsethnie in Afghanistan und der Grenzregion
zwischen beiden Ländern, eine wichtige Rolle, die durch die von der
britischen Kolonialmacht gezogene Durand-Linie auf zwei Staaten verteilt
wurden. Der pakistanische Geheimdienst und Teile des pakistanischen Militärs
werden von den Paschtunen dominiert. Die Iraner haben insbesondere Verbindungen
zur schiitisch dominierten hizb-e wahdat, einem Mitglied der Nordallianz.
Turkmenistan, Tadjikistan und Uzbekistan verbinden ethnische Gemeinsamkeiten
vor allem mit Nordafghanistan, welche wiederum die Interessen Russlands
mitbestimmen, das sich vor allem vor den islamistischen Kräften fürchtet.
Indien unterstützt aufgrund seiner Erzfeindschaft mit Pakistan vor
allem die nicht-paschtunischen und nicht-islamistischen Kräfte. Nur
wenn die hier skizzierten Interessen ansatzweise bei der Bildung einer
zukünftigen Regierung in Afghanistan berücksichtigt und ausbalanciert
werden können, gibt es eine Chance, dass die jeweilige Klientel nicht
mehr finanziell und mit Waffen unterstützt wird.
Die Herrschaft der Taliban verliert eindeutig an Stabilität, da sich
bereits einige der militärischen, traditionellen und religiösen
Führer für unabhängig erklärt haben oder aber zu der
Nordallianz übergelaufen sind. Auch bei den Taliban handelt es sich
um eine - von der paschtunischen Mehrheit dominierte - Allianz und nur
deren Kern wird von den "Religionstudenten" (taliban)
gebildet, die in Religionsschulen eine militärische Grundausbildung
erhielten. Bei der überwiegenden Mehrheit der Menschen haben die
Taliban den Rückhalt verloren, weil die Bevölkerung in den letzten
Jahren besonders unter der Rigidität und Kompromisslosigkeit der
Taliban-Führung gelitten hat. Das Ausmaß der humanitären
Katastrophe und die Drangsalierung hat auch in streng traditionellen Stammesgebieten
Widerstand hervorgerufen, obwohl in ländlichen Gegenden die Kontrolle
durch die Taliban ohnehin stets begrenzt gewesen ist. Allerdings ist die
Gefahr nicht zu unterschätzen, dass es bei zahlreichen Opfern unter
der Zivilbevölkerung infolge der ausländischen Militäraktionen
zu einem Solidarisierungseffekt in der afghanischen Bevölkerung gegen
die USA und mit den Taliban kommen könnte. Dies wird entscheidend
auch davon abhängen, ob die Botschaft, dass die Angriffe sich gegen
die Taliban und al-Qaida, aber nicht gegen die Bevölkerung richten,
vermittelt werden kann. Dazu muss man sich vor Augen führen, dass
es in Afghanistan - abgesehen von einzelnen Radiogeräten, mit denen
die internationalen Sender Voice of America, BBC und Deutsche Welle empfangen
werden können, sowie unter der Hand kursierenden oppositionellen
Zeitschriften - nur wenig Zugang zu Medien gibt.
Die Nordallianz ist ein heterogenes militärisches Zweckbündnis,
dessen Zusammenhalt durch den gemeinsamen Feind in Gestalt der Taliban
gewährleistet wird. Nach dem Mord an Ahmad Schah Massud ist das Bündnis
stark geschwächt und die Rivalitäten untereinander haben sich
in der Hoffnung auf eine prominente Rolle wieder verstärkt. Dem formell
noch amtierenden Präsidenten Rabbani wird bereits die Position von
Kommandanten wie General Dostum, Muhammad Fahim und Ismail Khan streitig
gemacht. Der Kern der Nordallianz wird von islamistischen warlords
gebildet, die nach 1992 ihre politische Chance und in der Folge alle Sympathien
bei der Bevölkerung verspielt haben. Sie wiederum als einen potenziellen
Garantiegeber für eine Befriedung des Landes zu handeln, kann nur
auf kurzfristige militärische Ziele zurückzuführen sein.
Man darf das Gedächtnis der Afghanen nicht unterschätzen. In
den vergangenen Wochen ist ein vorsichtiger Wandel der amerikanischen
Politik festzustellen, die sich von der einseitigen Unterstützung
der Nordallianz wegentwickelt und ihr auch nicht die in Aussicht gestellte
finanzielle und logistische Unterstützung zukommen lässt.
Die internationale Staatengemeinschaft und insbesondere die US-Regierung
trauen dem 1973 gestürzten, jetzt 87-jährigen und im römischen
Exil lebenden Ex-König eine tragende Rolle zu. Drei verschiedene,
stark vom Exil beeinflusste "Prozesse" (Rom, Frankfurt, Zypern),
an denen vorwiegend ehemalige, exilafghanische Bürokraten und Monarchisten
beteiligt sind, sehen in der Vorbereitung und Einberufung einer großen
Ratsversammlung (loya jirga) durch den König ein zentrales
Lösungsinstrument. Die loya jirga hat in der afghanischen
Geschichte durchaus positive Ergebnisse zu verzeichnen gehabt, jedoch
kann diese nur erfolgreich sein, wenn sie am Ende eines Verhandlungsprozesses
steht, an dem alle Entscheidungsträger des Landes beteiligt sind.
Genau an dieser Stelle zeichnet sich jedoch ein Defizit ab, da zum einen
die Königsfamilie selbst, aber auch die drei "Prozesse"
oder Initiativen untereinander stark zerstritten sind. Zum anderen verlässt
sich der König auf seine Berater, die ihm aber nicht alle wichtigen
politischen Bewegungen und Gruppierungen zuführen, sondern nur Afghanen,
die als Einzelpersonen zu ihm kommen. Ferner könnte sich eine zu
intensive US-Unterstützung für den König letztendlich negativ
auswirken, da sie die Forderung nach einer von den Afghanen selbst getragenen
Lösung untergräbt. Ohne dass ein politischer Prozess vorangegangen
wäre, in dem sich Meinungsführer und breit gestreute afghanische
Interessen herausgebildet hätten, wird bereits eine Liste eines 120-Personen
starken "Nationalen Rates" erstellt.
Szenarien in Folge der US-amerikanischen Militärpräsenz
Die zu erwartende sich verstetigende militärische US-Präsenz
in Zentralasien, die nicht nur auf Usama Bin Ladin und die Taliban, sondern
auch auf die Erdöl- und Erdgasressourcen in der Region sowie die
aufsteigenden global players China und Indien reagiert, wird die
geopolitische Balance in Süd- und Zentralasien verändern. Für
Pakistan könnte dies positive Auswirkungen haben. Seine Beteiligung
an der Anti-Terror-Allianz könnte die Stärkung Musharrafs und
die Marginalisierung islamistischer Kräfte bedeuten. Ferner könnten
ein Schuldenerlass und die Verbesserung der Beziehungen zu Indien über
eine Lösung des Kashmir-Konflikts das Land vor dem drohenden Zusammenbruch
retten. Auf der anderen Seite ist nicht auszuschließen, dass infolge
einer breiten Ablehnung der amerikanischen Präsenz die Islamisten
die Überhand gewinnen, das Militär sich spaltet und dass das
Ausscheren aus dem internationalen Bündnis einen ökonomischen
Kollaps nach sich zöge. Da Pakistan eine Atommacht ist, könnte
das unabsehbare Folgen haben.
In den zentralasiatischen Republiken könnten die instabilen Regierungen
einerseits von der militärischen US-Präsenz profitieren, weil
die islamistische Opposition mit ihren vorwiegend auf afghanischem Territorium
befindlichen Zentralen stark geschwächt werden könnte. Dieses
würde die Chancen für die Umsetzung ökonomischer und demokratischer
Reformen deutlich erhöhen. Auf der anderen Seite könnte ein
Scheitern der Reformbemühungen das Gegenteil erreichen, nämlich
Autokratie und Repression dieser Regierungen noch massiver auszuprägen.
Irans zaghafte Annährung an die westlichen Mächte könnte
infolge der als imperialistisch empfundenen Militärpräsenz bald
zu Ende sein. Die Konservativen würden gestärkt und reformerischen
Kräfte um Chatami geschwächt. Eine gleichberechtigte Einbeziehung
Irans in eine politische Lösung für Afghanistan könnte
jedoch auch, wenn die schiitischen Bevölkerungsgruppen in Afghanistan,
die Iran nahe stehen, entsprechend berücksichtigt werden, eine Stärkung
der Reformer und darüber hinaus eine Annäherung an die USA über
den Umweg Afghanistan bedeuten.
Für Afghanistan lassen sich zunächst folgende mögliche
militärische Szenarien entwickeln: Die Nordallianz schafft es, im
Verbund mit den internationalen Militäraktionen Kabul und weitere
Städte einzunehmen. Oder: Die Taliban beweisen Standhaftigkeit, einen
stärker als allgemein erwarteten Zusammenhalt und können in
Kabul überwintern. Drittens ist denkbar, dass britische und amerikanische
Truppen es schaffen, die Städte zu besetzen, das Hinterland aber
im Einflussbereich der Taliban bleibt. Dieses riefe die negativen Erfahrungen
der Sowjetunion in Afghanistan in Erinnerung, die diese in einer vergleichbaren
Situation eindeutig scheiterten ließ. Als letztes Szenario wäre
denkbar, dass internationale Truppen die militärische Übermacht
in Afghanistan gewinnen, während parallel zu den Militäraktionen
eine Implosion des Taliban-Regimes stattfände.
Je nach militärischer Variante werden die Ausgangsbedingungen für
eine politische Lösung für Afghanistan besser oder aber schlechter:
Das Erstarken der Nordallianz bzw. der Verbleib der Taliban vergrößern
die Gefahr eines warlordism in Afghanistan, wie er sich mit unterschiedlichen
Gesichtern und ohne politische Perspektive in der letzten Dekade festgesetzt
hat. Aus den Reihen der Taliban und der Nordallianz könnte sich eine
mit Unterstützung von weiteren ausländischen islamistischen
Söldnern gebildete neue warlord-Fraktion entwickeln - dies
wäre das worst case Szenarium. Die Ausweitung der humanitären
Katastrophe und des Flüchtlingselends sowie die Verstärkung
international bedrohlicher Terrorzentralen wären die Folge. Das positive
Szenario für Afghanistan hingegen könnte sein, dass die internationale
militärische Präsenz und ein international koordiniertes Engagement
dazu führen, dass sich nach der Eindämmung der Kriegsfraktionen
eine neue Regierung, eine deutliche Verbesserung der Lebensbedingungen,
ein Prozess des nation-building und des Wiederaufbaus einstellen
könnten. In Anbetracht der geostrategischen Bedeutung der Region
kann eigentlich nur dieses zuletzt entworfene Szenarium im Interesse der
internationalen Gemeinschaft sein - gefragt ist also ein langfristiges
Engagement.
Es gibt eine Chance!
Für die komplexen Fragen und Herausforderungen auf dem politischen
Lösungsweg kann es keine Patentlösungen geben. Dennoch können
die Erfahrungen und Erkenntnisse aus der afghanischen Vergangenheit und
aus internationalen Konfliktvermittlungsinitiativen in anderen
Weltregionen konstruktive Hilfestellungen in diesem Prozess leisten, die
es systematisch zu nutzen gilt. Fest steht bereits jetzt, dass die Chance
für eine politische Lösung des über 20-jährigen Afghanistan-Konflikts
noch nie so groß war: Aus der eigenen Betroffenheit durch die Terrorattentate
des 11.09.2001 resultiert eine nie da gewesene Entschlossenheit der internationalen
Gemeinschaft, insbesondere der einzigen verbliebenen Weltmacht USA. Der
mögliche Erfolg - eine stabile Friedensordnung - hängt, dies
soll nochmals unterstrichen werden, von der Beteiligung aller wichtigen
Gruppierungen in Afghanistan - also auch der demokratischen Gruppen im
Lande - und von einem langfristigen internationalen Engagement in Afghanistan
ab.
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